Mangroven als natürliche Kohlenstoffspeicher.

Interview mit Thies Geertz vom Global Nature Fund

„Wir wollen einen Wald pflanzen, der auch in 100 Jahren noch steht“.

Als Teil seines Corporate-Social-Responsibility-Engagements unterstützt Mercedes-Benz - im Rahmen des Handlungsfeldes Dekarbonisierung - seit mehr als 20 Jahren ein Mangroven-Aufforstungsprojekt des Global Nature Fund (GNF) in Südasien. Hunderttausende Bäume wurden gepflanzt, neue Einkommensquellen für die Menschen vor Ort etabliert, Bildungsprogramme aufgebaut.

Thies Geertz vom GNF erklärt, wie wichtig langfristige und kontinuierliche Unterstützung für den Schutz und Erhalt eines Ökosystems ist.

Herr Geertz, können Sie sich noch an Ihren ersten Besuch in den Sundarbans erinnern, dem größten Mangrovenwald der Welt? Was hat Sie an diesem Ort besonders beeindruckt?

Ich habe vor knapp zehn Jahren beim Global Nature Fund angefangen, und das war mein erstes Projekt – auch wenn ich studierter Biologe bin, war ich davor noch nie in einem Mangrovengebiet. Eine einzigartige Erfahrung: 10.000 Quadratkilometer groß, es gibt noch Tiger, pulsierendes Leben überall. Wir fuhren mit einem kleinen Schiff durch die endlosen Seitenarme des Ganges zu einer entlegenen Insel, auf der wir eine Mangrovenbaumschule angelegt hatten. Schon aus großer Entfernung hörte man ein dumpfes Tuten übers Wasser: Die Dorfbewohner hatten uns entdeckt und bliesen auf traditionellen Schneckenhörnern zur Begrüßung.

Die Sundarbans sind das größte zusammenhängende Mangrovengebiet der Erde: 10.000 Quadratkilometer im Ganges-Delta, von Indien bis Bangladesch.
Die Sundarbans sind das größte zusammenhängende Mangrovengebiet der Erde: 10.000 Quadratkilometer im Ganges-Delta, von Indien bis Bangladesch.

Das klingt nach einer ganz eigenen Welt – einem Reich zwischen Wasser und Land, Flussdelta und Meeresküste. Was fasziniert Sie an den Mangroven?

Mangroven werden oft als Champions der Natur bezeichnet, weil sie optimal an extreme Umweltbedingungen angepasst sind. Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut beträgt bis zu sechs Meter – die Bäume stehen den halben Tag unter Wasser und den Rest des Tages komplett trocken. Und sie gedeihen im Schlick, in dem es keinen Sauerstoff gibt, den die Pflanzen brauchen. Deshalb haben sie Atemwurzeln entwickelt, die den Boden nach oben durchbrechen – ein sehr charakteristisches Bild. Mangrovenwälder können bis zu fünfmal so viel CO₂ pro Fläche speichern wie ein tropischer Regenwald, etwa im Amazonas. Der größte Teil des Kohlenstoffs wird dabei im Schlick gespeichert. Werden die Mangroven abgeholzt, fängt dieser Boden an, sich durch Mikroben zu zersetzen – ähnliche Vorgänge kennen wir von Mooren. Diese Vorgänge setzen große Mengen CO₂ frei, was den globalen Klimawandel weiter anheizt.

Mercedes-Benz unterstützt das Mangrovenprojekt des GNF seit mehr als 20 Jahren. Was wurde in dieser Zeit erreicht?

Wir konnten seitdem 750.000 Mangrovensetzlinge an verschiedenen Standorten pflanzen – in Sri Lanka, in Bangladesch und in einigen Regionen Indiens. Dank der Unterstützung von Mercedes-Benz konnten wir große Fortschritte machen. Ich war kürzlich an einem Standort in Sri Lanka, wo vor 15 Jahren Mangroven angepflanzt worden sind. Auf dieser Fläche ist dichter Wald mit einem geschlossenen Kronendach gewachsen, die Bäume sind mittlerweile bis zu 15 Meter hoch. Es gibt allerdings auch Flächen mit hohem Salzgehalt, wo die Mangroven nicht so beeindruckend wachsen, dort werden sie nur zwei Meter hoch. Aber auch dort stabilisieren sie den Boden. Und das wird mit dem Klimawandel immer wichtiger.

Wichtige Rolle im Klimaschutz: Mangrovenwälder speichern bis zu fünfmal so viel CO₂ pro Hektar wie ein tropischer Regenwald – bis zu 90 Prozent davon im Schlick. Foto: Global Nature Fund.
Wichtige Rolle im Klimaschutz: Mangrovenwälder speichern bis zu fünfmal so viel CO₂ pro Hektar wie ein tropischer Regenwald – bis zu 90 Prozent davon im Schlick. Foto: Global Nature Fund.

Was haben Mangroven mit dem Klimawandel zu tun?

Durch die globale Erderwärmung steigt die Anzahl der schweren Wirbelstürme. In Europa bekommen wir das kaum mit, aber ich höre immer häufiger aus den Projektregionen: Bei uns ist wieder ein Wirbelsturm gewesen, alles ist verwüstet. Eines unserer Mangroven-Anpflanzungsprojekte befindet sich auf den Philippinen, dort trafen 2025 insgesamt neun schwere Wirbelstürme auf die Küsten. Da haben Mangrovenwälder eine enorme Schutzfunktion. Sie können den Verlust Tausender Menschenleben und volkswirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe verhindern. Das Engagement ist somit in mehrfacher Hinsicht nachhaltig.

Wie funktioniert das Aufforsten von Mangrovenwäldern genau? Worauf muss man dabei achten?

Die Setzlinge ziehen wir in eigenen Baumschulen vor Ort, die von Frauenkooperativen betrieben werden. Sobald die Pflanzen 40 bis 50 Zentimeter hoch sind, werden sie gepflanzt, bis zu 5.000 Setzlinge pro Hektar. Wichtig ist dabei die richtige Planung: Wir müssen die ökologischen Verhältnisse vor Ort untersuchen, etwa die Gezeiten oder den Salzwassergehalt, ansonsten riskiert man eine hohe Mortalität bei den Setzlingen. In der Natur gibt es rund 70 verschiedene Mangrovenarten, die an bestimmte Nischen angepasst sind. In unseren Baumschulen ziehen wir 20 davon und wählen je nach Standort die passenden aus. Damit haben die Frauengruppen großen Erfolg – und verkaufen ihre Setzlinge mittlerweile auch an andere Aufforstungsprojekte. Das Projekt ist dadurch ein echter Wirtschaftsfaktor geworden.

Frauenkooperativen betreiben 14 Baumschulen mit 20 verschiedenen Mangrovenarten. Die Setzlinge werden nicht nur selbst gepflanzt, sondern auch an andere Projekte verkauft. Foto: Global Nature Fund.
Frauenkooperativen betreiben 14 Baumschulen mit 20 verschiedenen Mangrovenarten. Die Setzlinge werden nicht nur selbst gepflanzt, sondern auch an andere Projekte verkauft. Foto: Global Nature Fund.

Der Global Nature Fund kümmert sich also nicht nur um Wiederaufforstung in der Region?

Mit der Förderung von Mercedes-Benz konnten wir in den vergangenen Jahren einen ganzheitlichen Projekt-Kosmos aufbauen. Wir unterstützen zum Beispiel seit vielen Jahren ein Umweltbildungszentrum im Mangrovenwald. Dort erleben die Besucher, vor allem Schulklassen, wie wichtig dieses Ökosystem ist. Im Mangrovenwald ist es vier bis fünf Grad kühler als in der restlichen Umgebung, die Geräusche und Gerüche verändern sich. Diese naturnahen Erlebnisse sind für die Kinder besonders wertvoll. Außerdem unterstützen wir beim Aufbau von Saatgutbanken für Gemüsesetzlinge und traditionelle Reissorten. Und wir haben knapp 500 Garnelenfarmen zu Mangroven-Aquakulturen umgewandelt – einer der größten Erfolge.

Wie sind Sie dabei konkret vorgegangen?

Wir haben bis zu 500 Mangrovenbäume pro Hektar in die Teiche gepflanzt und auf natürliche Bewirtschaftung umgestellt. Die Bäume beschatten die Teiche, die Blätter fallen ins Wasser und bilden Futter für Garnelen und Fische. Die Wurzeln stabilisieren die Deiche und machen die Farmen resilienter gegen Wirbelstürme und Tierkrankheiten. Aber weil die Kosten für Futter, Medikamente und Deichbau wegfallen, haben die Farmer bis zu 100 Prozent mehr Gewinn.

In knapp 500 integrierten Garnelenfarmen wachsen Mangrovenbäume direkt in den Teichen. Die Blätter dienen als Futter, die Wurzeln stabilisieren die Deiche. Foto: Global Nature Fund.
In knapp 500 integrierten Garnelenfarmen wachsen Mangrovenbäume direkt in den Teichen. Die Blätter dienen als Futter, die Wurzeln stabilisieren die Deiche. Foto: Global Nature Fund.

Warum ist das so wichtig?

Mangrovenwälder sind seit jeher die Kinderstube für viele Fischarten, Muscheln und Krustentiere. Weil die Nachfrage nach Shrimps weltweit steigt, wurden seit den 1980er-Jahren riesige Mangrovenflächen abgeholzt, um Platz für Garnelenfarmen zu schaffen. In den Sundarbans erstrecken sich diese über viele Quadratkilometer hinweg. Wir verstehen, dass die Menschen vor Ort für ihren Lebensunterhalt sorgen müssen. Deshalb setzen wir auf Garnelenfarmen, die in das Ökosystem integriert sind und somit positive Effekte für die Natur und die Menschen haben.

Mercedes-Benz unterstützt den Global Nature Fund seit einer ganzen Generation. Wie wichtig ist diese langfristige Zusammenarbeit?

Die Unterstützung ist für uns sehr wertvoll. Sie ermöglicht uns, Partnerschaften in Indien, Bangladesch und Indonesien aufzubauen, die auf Augenhöhe stattfinden und über Jahre gedeihen müssen. Wir wollen Ökosystemfunktionen wiederherstellen – und das geht nur, wenn wir über einen langen Zeitraum dranbleiben und konstant arbeiten. Es gibt den Trend, auch bei Nachhaltigkeitsprojekten, in kurzen Zyklen zu denken und ausschließlich nach Zahlen und Projektabschlüssen zu fragen. Das ist nicht immer hilfreich. Wir machen Mangrovenschutz seit über 20 Jahren, und es gibt immer noch viel zu tun. Uns geht es nicht darum, Weltrekorde im Bäumepflanzen aufzustellen. Wir wollen die Bedingungen schaffen, dass diese Wälder Generationen überdauern. Dafür brauchen wir Partner, die das über Jahre hinweg begleiten und mittragen.

Zur Person

Thies Geertz.
Thies Geertz.

Thies Geertz ist studierter Biologe und leitet den Bereich Development Cooperation & Nature Conservation beim Global Nature Fund (GNF) in Radolfzell am Bodensee. Seit knapp zehn Jahren verantwortet er die Mangrovenschutzprojekte des GNF in Südasien – unter anderem in Indien, Bangladesch, Sri Lanka, Indonesien und auf den Philippinen. Vor Ort arbeitet er eng mit lokalen Partnerorganisationen, Frauenkooperativen und Küstengemeinden zusammen.

Dieses Projekt ist Teil des Corporate-Social-Responsibility Engagements von Mercedes-Benz. Damit wollen wir einen Beitrag zur Gesellschaft leisten, der über das Kerngeschäft hinausgeht.

Dieser Beitrag wurde zuletzt im November 2026 aktualisiert.

BeVisioneers.

Gesellschaftliche Verantwortung.

Mercedes-Benz unterstützt Projekte und Initiativen durch Partnerschaften, Programme und finanzielle Fördermaßnahmen. Im Fokus stehen ökologische Nachhaltigkeit, die Stärkung von Gemeinschaften und gezielte Katastrophenhilfe.

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Ökologische Nachhaltigkeit.

Wir fördern Projekte, die zum Ziel haben, Klima, Ressourcen und Ökosysteme zu schützen.