„Hier können wir Zukunftsthemen, die Teil unserer Geschäftsstrategie sind, mitgestalten.“ – Volljuristin bei Mercedes-Benz

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Ob bei der neuen Werbekampagne, dem aktuellen Update für die Fahrzeug-Software oder dem nächsten digitalen Service: Caroline Maier gehört zu den Ersten, die die Innovationen von Mercedes-Benz zu Gesicht bekommen – und unterzieht sie gleich einer genauen Prüfung. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen vom Bereich Intellectual Property bei Mercedes-Benz berät sie die Fachbereiche zu Fragen rund um Wettbewerbs-, Medien- und Urheberrecht. Was sie an ihrer Arbeit besonders liebt und wie sie während ihres Referendariats zu Mercedes-Benz gekommen ist, erzählt die Volljuristin im Interview.

Frau Maier, als Volljuristen prüfen Sie alle rechtlichen Themen rund um die Produkte, Services und Kommunikationsaktivitäten bei Mercedes-Benz. Wie gehen Sie dabei vor?

Das ist ganz unterschiedlich. In unserer Abteilung IP-Clearing unterstützen wir verschiedene Fachbereiche, beispielsweise aus dem Marketing oder der Kommunikation, bei allen Fragen rund um Wettbewerbs-, Medien- und Urheberrecht – das können umfangreiche Werbekampagnen oder Webseiten vor deren Veröffentlichung sein oder auch ganz neue digitale Services. Ein gutes Beispiel dafür sind Markteinführungskampagnen für neue Fahrzeuge. Wenn ein neues Fahrzeugmodell auf den Markt kommt, gibt es meist eine Vielzahl von verschiedenen Werbemitteln. Angefangen mit den Claims für die Kampagne, bis hin zu umfangreichen Videos, Social Media Postings zum neuen Modell, Anzeigen oder Kundenmails – sämtliche Werbematerialien schauen wir uns vor deren Veröffentlichung an.

Welche rechtlichen Fragen stellen sich dabei?

Es gibt viele rechtliche Pflichtangaben, die wir bei allen Werbe- und Kommunikationsmaterialien beachten müssen. Aus wettbewerbsrechtlicher Sicht muss zum Beispiel darauf geachtet werden, dass keine irreführenden Angaben gemacht werden, durch welche der angesprochene Kundenkreis zu einer geschäftlichen Handlung veranlasst werden könnte. Bei der Bewerbung von neuen Fahrzeugmodellen müssen wir auch darauf achten, dass die Energieverbrauchskennzeichnung bei den beworbenen Fahrzeugen korrekt angezeigt wird. Auch wenn wir mit unseren Kundinnen und Kunden individuell in Kontakt treten, gelten diese rechtlichen Vorgaben. Neben dem Wettbewerbsrecht achten wir übrigens auch auf weitere rechtliche Aspekte, wie etwa das Urheberrecht.

„Oft begleiten wir Werbekampagnen von der ersten Idee. Wenn ich später die fertigen Spots im Fernsehen sehe, ist das natürlich ein schönes Gefühl.“

Und auf was schauen Sie, wenn Sie eine neue Werbekampagne prüfen?

Hier geht es vor allem um Urheberrechtsfragen. Ein aktuelles Beispiel ist die Kampagne zur Langlebigkeit der G-Klasse mit dem Kurzfilm „Immortal Love x G-Klasse“. Darin geht es um Vampire und deren Liebe zur G-Klasse. Vor der Veröffentlichung schauen wir uns die Werbemittel genau an und prüfen, ob irgendwo geistiges Eigentum verletzt sein könnte. Darüber hinaus achten wir sehr genau darauf, wo und wie gedreht wurde. Vermeintliche „Kleinigkeiten“ wie etwa ein Gebäude eines Stararchitekten im Hintergrund oder ein Kunstwerk könnten urheberrechtlich problematisch werden.

Das heißt, Sie sind eine der ersten, die einen neuen Werbespot von Mercedes-Benz sehen?

Definitiv (lacht). Oft begleiten wir Produktionen von der ersten Idee über den Dreh bis zur Veröffentlichung. Das ist natürlich ein schönes Gefühl, wenn ich später die fertigen Kampagnen im Fernsehen oder die Großplakate in der Stadt sehe.

Starkes Team: Die Zusammenarbeit und der Austausch zu spezifischen Themen ist sehr bereichernd.

Wie können wir uns Ihr Team vorstellen?

Wir sind acht Kolleginnen und Kollegen – alles Volljuristen. Was ich sehr bereichernd finde ist, dass jeder von uns seine Spezialthemen hat. Eine meiner Kolleginnen ist Spezialistin für Sponsoring-Aktivitäten, während ich primär für sämtliche digitale Themen, wie etwa die wettbewerbsrechtliche Betreuung von unseren Onlinestores, Social Media oder die individuelle fahrzeugbezogene Kommunikation zuständig bin. Wir arbeiten im Team ganz eng zusammen. Jeder hat immer ein offenes Ohr und wir tauschen uns zu aktuellen Themen aus. Dieser Austausch ist sehr wertvoll, da man dadurch die eigene Sichtweise auf bestimmte Themen erweitern kann, was wiederum für die Beratung der Fachbereiche von Nutzen ist. Häufig beschäftigen wir uns auch mit Themen, zu denen es noch keine eindeutige Rechtsprechung gibt.

Was wäre ein Beispiel für so ein neues Themenfeld?

Unsere Fahrzeuge werden immer digitaler. Durch die zunehmende Digitalisierung ist es möglich, dass die Fahrzeuge Softwareupdates auch „Over-the-air“, also per Funkschnittstelle, erhalten.Diese neue Technik muss man sich von verschiedenen rechtlichen Blickwinkeln aus genau anschauen. Auch durch die Elektromobilität und das autonome Fahren, ergeben sich weitere juristische Fragen. Die Gestaltung der Mobilität von morgen ist teilweise auch Rechtssache. Bei Mercedes-Benz können wir Zukunftsthemen wie diese, die Teil unserer Geschäftsstrategie sind, mitgestalten. Das finde ich besonders spannend.

„Mercedes-Benz bietet mir als Juristin viele Optionen für meine Karriere und flexible Arbeitsmodelle. Kurz: Das Gesamtpaket passt.“

Wie sind Sie eigentlich zu Mercedes-Benz gekommen?

Ich habe mich schon immer für Autos interessiert. Während meiner Schulzeit waren wir zur Besichtigung bei Mercedes-AMG in Affalterbach. Wir konnten uns die Motorenproduktion und das Soundlabor anschauen. Das hat mich begeistert und die Marke hat mich einfach nicht losgelassen. Am Ende meines Jura-Studiums habe ich mich dann für ein Referendariat bei Mercedes-AMG beworben und dabei auch erste Einblicke in den Konzern erhalten. Ich fand die Themenvielfalt, die es für Juristen im Unternehmen gibt, sehr spannend. Als weltweit agierendes Unternehmen bietet Mercedes-Benz so viele Möglichkeiten, deshalb bin ich 2019 nach meinem zweiten Staatsexamen im Bereich Intellectual Property eingestiegen.

Was macht Mercedes-Benz als Arbeitgeber für Sie besonders?

Die Menschen: Ich arbeite oft mit Kolleginnen und Kollegen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammen. Der Teamgeist und die offene Kommunikation im Unternehmen sind was ganz Besonderes. Und natürlich sind unsere Produkte einzigartig. Unsere Elektromodelle und die dazugehörige Unternehmensausrichtung finde ich hervorragend. Auf der IAA konnte ich den EQS Probe fahren, das war nochmal ein ganz besonderes Erlebnis – das ist moderner Luxus. Darüber hinaus bietet mir Mercedes-Benz als Juristin viele Optionen für meine Karriere und auch Flexibilität, beispielsweise wenn es um Arbeitszeitmodelle geht. Kurz: Das Gesamtpaket passt.

Zum Abschluss: Wenn Sie einer Person aus der Zeitgeschichte eine Frage stellen könnten, wen würden Sie was fragen?

Dann würde ich gerne Albert Einstein treffen und ihn zur Relativitätstheorie befragen und was er zu unserer modernen Welt sagen würde. Das Universum ist etwas, das mich schon immer fasziniert hat, auch weil wir trotz aller Forschung so wenig darüber wissen: Gibt es weiteres Leben? Und wie ist alles entstanden? Bei einer Tasse Kaffee Albert Einsteins Meinung dazu zu hören, wäre super interessant (lacht).

Seit ihrem freiwilligen sozialen Jahr bei der Stadt Stuttgart ist Caroline Maier (31) begeistert von juristischen Fragen. Daher absolviert die gebürtige Ludwigsburgerin ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Konstanz und der Eberhard Karls Universität Tübingen. Weil sie die Themenvielfalt in Wirtschaft und Unternehmen besonders schätzt, entscheidet sie sich nach ihrem zweiten Staatsexamen bewusst für eine Karriere im Unternehmen und steigt 2019 im Bereich „Intellectual Property“ bei Mercedes-Benz ein. Wenn sie nicht gerade die Fachbereiche berät, ist Caroline Maier viel in der Natur unterwegs, etwa beim Trip mit dem Camper durch Norwegen oder beim Wandern in den Bergen. Und für Entspannung zwischendurch greift Sie gerne in die Klaviertasten – bei Stücken von Beethoven und Mussorgsky kann sie am besten abschalten.