Mercedes-Benz hat sich ehrgeizige Ziele im Bereich der Nachhaltigkeit gesetzt. Und das in einer wirtschaftlich herausfordernden Zeit. Welche Strategien helfen dabei, diese zu erreichen?
Martin von Broock: Es ist wichtig, dass Mercedes-Benz am Anspruch der Nachhaltigkeit trotz des aktuellen Gegenwinds festhält. Und das gelingt am besten, wenn man Nachhaltigkeit als ein Erfolgs- und Überlebensprinzip begreift und nicht als Form der moralischen Pflicht oder des regulatorischen Übels. Wir handeln nicht nachhaltig, weil uns irgendjemand dazu zwingt. Sondern weil die wissenschaftliche Faktenlage eindeutig ist und langfristig nur die nachhaltigen Geschäftsmodelle am Markt bestehen werden. Man sieht das an stark wachsenden Volkswirtschaften wie beispielsweise China – die haben ihre Wachstumsstrategie bereits genau daraufhin ausgerichtet. Gleichzeitig halte ich es für wichtig, dass Mercedes-Benz auch nach außen klarmacht: Wir halten am Ziel der CO₂-neutralen Flotte fest. Das kann mittelfristig zu einem echten Differenzierungsmerkmal gegenüber Wettbewerbern werden. Der Weg kann sich ändern – das Ziel aber bleibt.
Was haben Sie in fast zehn Jahren als Beirat persönlich gelernt?
Martin von Broock: Zwei große Erkenntnisse: erstens, dass man alles immer anders sehen kann – und andere das auch tun. Das schärft die Offenheit für neue Blickwinkel. Zweitens lernt man, dass es für große Konzerne wie Mercedes-Benz schlichtweg unmöglich ist, allen Ansprüchen gleichzeitig gerecht zu werden. Umso höher schätze ich die Bereitschaft, sich dennoch damit auseinanderzusetzen und sich auch unbequemen Diskussionen zu stellen.
Wie schafft man es, auch als Gremium integer zu handeln?
Martin von Broock: Indem wir streiten. Konstruktiv, natürlich. Indem wir unsere Sichtweisen und Positionen austauschen und diskutieren. Und indem wir manche Dinge nicht tun – beispielweise geben wir keine gemeinsamen Stellungnahmen ab oder beziehen als Beirat öffentlich für Mercedes-Benz Position.
Wir haben viel über das große Ganze gesprochen. Aber wie sieht integres und ethisches Handeln für jeden Einzelnen von uns aus?
Martin von Broock: Es gibt da eine ganz einfache Maxime: Handele immer so, dass du es später nicht bereuen musst. Denn du bist die Person, mit der du den Rest deines Lebens verbringen wirst. Konkret kann das heißen, dass wir uns gerade bei schwierigen Entscheidungen Gedanken machen und Zeit nehmen sollten, statt impulsiv zu handeln. Das ist nicht einfach im Zeitalter von Medien, die uns permanent triggern. Aber: Die meisten von uns haben einen ziemlich guten inneren Kompass. Wir müssen nur auf ihn achten.