„Ich habe viele tolle Chancen bekommen und diese auch genutzt.“

Übersicht Forschung & Entwicklung Organisation, Recht & Kommunikation IT & Telekommunikation Supply Chain Management Produktion Einkauf Finanzen & Controlling Konzernentwicklung/-strategie Marketing & Vertrieb

Dank ihres langjährigen Aufenthalts in Peking und Fuzhou brachte Alexandra Straßburger wertvolle Impulse für ihre Arbeit und die Bedürfnisse des chinesischen Markts mit nach Deutschland. Heute treibt sie als Director Sales Operations für Mercedes-Benz Cars die Digitalisierung des Vertriebs voran. Ein Gespräch über Arbeit und Leben mit Familie im Ausland und warum sich mit ihrer aktuellen Position ein Kreis für sie schließt.

Frau Straßburger, als Director Sales Operations standardisieren und digitalisieren Sie gerade mit Ihrem Team den Vertrieb von Mercedes-Benz Cars. Wie gehen Sie hier konkret vor?

Wir haben zum Beispiel das Managen der Fahrzeugbestände für die Standorte standardisiert und Prozesse verschlankt. Außerdem machen wir mit Digitalisierung und Standardisierung unseren Onlinevertrieb möglich. Wir schaffen weltweit die Grundlage für schnelles Skalieren und Geschwindigkeit im Vertrieb, indem wir versuchen, bisherige manuelle Tätigkeiten in effiziente Digitalisierung zu wandeln. So können wir auch schnell auf die Bedürfnisse am Markt reagieren.

„Ich kam ins Unternehmen, weil ich die Leute großartig fand. Kluge Menschen, die absoluten Spaß daran haben, einzigartige und exklusive Produkte zu entwickeln.“

Sie verantworten verschiedene Teams in Stuttgart und Bukarest. Welche Chancen sehen Sie dabei in Diversität und was bedeutet diese für Sie als Führungskraft?

Wir sind ein vielfältiges Team mit über 15 Nationalitäten und unterschiedlichen Jobprofilen. Das bedeutet zunächst einen größeren Lösungsraum, denn unterschiedliche Köpfe entwickeln mehr Lösungen, die durch andere Sichtweisen entstehen. Diversität ist einfach eine unglaubliche Kraft und eine Chance in unserer komplexen Welt. Um Themen anders zu betrachten, bedarf es als Führungskraft einer Offenheit dafür und ich muss bereit sein, mehr Gespräche zu führen, um Sichtweisen besser zu verstehen. Wir haben zum Beispiel gerade ein Kulturtraining initiiert, um die unterschiedlichen Kulturen im Team noch besser kennenzulernen und besser nutzen zu können.

Was unterschiedliche Kulturen angeht, sind Sie ja erfahren. 2006 sind Sie für Mercedes-Benz nach China gegangen, um das Produktmanagement in Peking zu leiten. Wie haben Sie die erste Zeit erlebt?

Das erste Jahr war sehr beeindruckend und herausfordernd! Ich saß, 27 Jahre jung, vor einem Team mit Menschen, die alle viel erfahrener waren. Mercedes-Benz in China war gerade im Aufbau, es gab noch nicht viele vordefinierte Prozesse und es war eine unglaublich intensive Zeit. Aber dadurch bin ich gewachsen – sowohl beruflich als auch persönlich. Gleichzeitig hatte ich einfach Spaß, die Kultur kennenzulernen, mit der ich schon durch ein vorheriges Praktikum Berührung hatte. Besonders der Yonghegong-Tempel war mein Anker, wenn es mir mit dem Lärm um mich herum zu viel wurde. Dann habe ich mich dort hingesetzt und die Ruhe genossen.

Sie haben in China eine Familie gegründet und waren seitdem durchgängig in Leitungspositionen beschäftigt. Wie hat Ihnen Mercedes-Benz bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben geholfen?

Die HR-Abteilung unterstützte mich in den drei Jahren, in denen auch meine beiden Kinder zur Welt kamen, sehr. Nicht nur mit chinesischen Sprachkursen und einem Sabbatical, sondern auch mit Seminaren zu Führung, Online Marketing und Datenanalyse erhielt ich optimale Unterstützung, um den Anschluss nicht zu verlieren. Das war sehr wertvoll. Ich bin nach der Geburt unseres ersten Sohnes als Head of Marketing and Product Management bei unserem Van Joint Venture in Fuzhou wieder eingestiegen. 2013 zogen wir als vierköpfige Familie nach Peking, wo ich in der Research & Development-Abteilung das Team für zukünftige Forschung und Kundenverständnis leitete und zum Senior Manager befördert wurde. Auch nach unserer Rückkehr nach Deutschland konnte ich drei Monate Sabbatical nehmen, um den Kindern das Einleben zu erleichtern, was genau das Richtige war.

Welche Erkenntnisse haben Sie für Ihre jetzige Position aus der Zeit in China mitgenommen?

Während meiner Zeit in China konnte ich internationale Erfahrungen sammeln und mein Fachwissen erweitern. Ich kann zudem gut einordnen, wie die Shareholderstruktur oder Angebotslogik vor Ort ist und weiß, wo Themen vielleicht anders angegangen werden müssen oder mit wem ich reden muss. Außerdem habe ich aus China die Denkweise zum datenorientierten Marketing mitgebracht. Mein jetziger Job ist inspiriert von dem dortigen Verständnis für digitale Geschäftsprozesse: Wie bringe ich Daten zusammen? Wie könnte das funktionieren? Wie können Datenströme aussehen? Ich habe meinen kompletten Bereich dementsprechend strukturiert und bin dabei, ihn kontinuierlich zu digitalisieren.

Als Diplom-Verwaltungswissenschaftlerin ist Alexandra Straßburger das Handling großer Datenmengen bereits gewohnt.

Fiel Ihnen der Zugang zur Welt der Daten in Ihrer jetzigen Position dadurch leichter?

Ja, auch durch mein Studium. Ich habe Diplom-Verwaltungswissenschaften studiert, dabei Empirie und Methoden vertieft, das versteht man heute unter Data Science. Ich habe damals schon nächtelang Daten analysiert und in einem Forschungsteam mit großen Datenmengen gearbeitet. Jetzt schließt sich sozusagen der Kreis bei mir. Es kommt alles, wie es kommen soll. Das Wichtigste ist, dass man seinem Herzen folgt und das tut, worauf man Lust hat. Denn nur mit Kraft und Freude kann man gestalten.

Sie haben vor 20 Jahren als Trainee im damaligen DaimlerChrysler Career Partnership Programm bei Mercedes angefangen. Würden Sie sagen, das Programm war ein Sprungbrett für Sie?

Ja, weil es mir die Chance bot, das Unternehmen mit den unterschiedlichsten Bereichen kennenzulernen. Ich konnte mir ein breites Netzwerk aufbauen, weil ich immer wieder in anderen Geschäftsbereichen im Einsatz war. Ich habe viele tolle Chancen bekommen und diese auch genutzt. Bereits im Traineeprogramm hatte ich gelernt, stets von Neuem anzufangen und mich auf neue Leute einzustellen. Mir wurde klar: Ich schaffe es in jedem neuen Umfeld. Das war eine lehrreiche Erfahrung für mich selbst.

Was macht für Sie die Arbeitsatmosphäre bei Mercedes-Benz aus?

Ich kam ins Unternehmen, weil ich die Leute großartig fand. Kluge Menschen, die absoluten Spaß daran haben, einzigartige und exklusive Produkte für die Kundschaft zu entwickeln. Mein internationales Team arbeitet täglich an neuen Lösungen. Dabei begegnen wir sowohl spannenden, als auch herausfordernden Themen, die uns dazu bringen, unser Bestes zu geben. Ich sage immer: Carl [Benz], Gottlieb [Daimler] und Bertha [Benz] müssen wir glücklich machen. Die waren mutig und innovativ. Was würden die jetzt denken, wenn wir das jetzt so entscheiden und tun? Diese Motivation spüre ich bei allen. Nach dem Motto: wir müssen die drei stolz machen. Sie haben das Auto in die Welt gebracht, what`s next?

Alexandra Straßburger (43) begann 2002 als Trainee im damaligen DaimlerChrysler Partnership Program ihre Karriere bei Mercedes-Benz. Die Begeisterung für die Menschen im Unternehmen, deren Können und Motivation ist seitdem ungebrochen. Ihr erster Auslandseinsatz in China wurde für die studierte Diplom-Verwaltungswissenschaftlerin mit Abschluss an der Universität Konstanz zum Schlüsselerlebnis. Sie blieb so lange dort, dass sie von den einheimischen Kolleginnen und Kollegen sogar einen Eigennamen erhielt: Große Schwester A. Ihre beiden Söhne, zehn und zwölf Jahre alt, wachsen mit Deutsch, Englisch und Chinesisch dreisprachig auf. Zeit für ihr Ehrenamt findet sie trotz aller beruflicher und familiärer Verpflichtungen: Sie ist Co-CEO der gemeinnützigen Organisation UMAI Hilfe für Kirgisistan. Mit einer ehemaligen Kollegin, die aus Kirgisistan stammt, gründete sie den Verein, um Menschen vor Ort gezielt zu unterstützen. Was mit Kleiderspenden begann, hilft heute ein Kinderheim, eine Werkstatt und ein Sportzentrum für Menschen mit Behinderung zu finanzieren.