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Als Datenübersetzer die Digitalisierung voranbringen.

Nach seinem dualen BWL-Studium stieg Tristan Flüchter bei Mercedes-Benz zunächst im Personalmarketing ein. Sein Interesse am Themenfeld Business Analytics führte ihn dann nach Dublin für ein Masterstudium. Seit seinem erfolgreichen Abschluss arbeitet er bei Mercedes-Benz Management Consulting (MBMC), dem internen Strategieberatungsteam der Mercedes-Benz AG. Sein Job: die Digitalisierung des Unternehmens durch datenbasierte Lösungen voranbringen. Im Interview spricht Tristan mit uns über Weiterentwicklung, Sinnhaftigkeit, Diversität und sein Hobby unter den Sternen.

Hallo Tristan, du bist Senior Digital Consultant bei MBMC und unterstützt aktuell den Einkauf bei der Weiterdigitalisierung seiner Prozesse. Was machst Du genau?

Im aktuellen Projekt arbeiten wir daran, unsere Lieferkette immer transparenter zu machen – sprich, dort Daten zu gewinnen, wo es zuvor noch keine Datengrundlage gab. Diese Daten bereiten wir dann in einer Cloudlösung datenschutzkonform auf und stellen sie in Form von Dashboards dem Management, aber auch vielen weiteren internen Stakeholdern aus dem Einkauf zur Verfügung. Sie helfen, noch bessere Entscheidungen zu treffen. Solche Projekte dauern für gewöhnlich vier Monate. Grundsätzlich gibt es im Bereich der Datenanalyse drei Anwendungsfälle: Beschreibende Analysen (deskriptiv) wie im aktuellen Projekt, die durch das Aufbereiten von Informationen für mehr Wissen und bessere Entscheidungsgrundlagen sorgen, dann die Vorhersageanalyse (prädiktiv) und die verordnende Analyse (präskriptiv) mit konkreten Maßnahmen zur Problemlösung. Diese Anwendungen bauen meist auf dem zuvor gewonnenen Datenverständnis auf.

„Als Digital Consultant baue ich die Brücke zwischen dem, was der interne Kunde möchte, und dem, was auf Datenbasis machbar ist.“
„Als Digital Consultant baue ich die Brücke zwischen dem, was der interne Kunde möchte, und dem, was auf Datenbasis machbar ist.“

Kannst Du an einem Beispiel erklären, wie gewinnbringend Datenanalyse in der Nutzung sein kann?

Wir haben viele interne Daten, die entlang der Lieferkette erstellt oder gewonnen und abgespeichert werden. In unserem Projekt verknüpfen wir diese Datenquellen so, dass wir zum Beispiel Details über Produktionsbedarfe noch besser aufbereiten können. Dadurch können einzelne Bereiche auf eine Datengrundlage mit deutlich weiterem Horizont zurückgreifen und so letztendlich fundierte Entscheidungen treffen. Weiß der Lieferantenmanager beispielsweise frühzeitig von Produktionsbedarfen im Werk Sindelfingen, kann er noch besser abschätzen, welche Fahrzeugteile dorthin geliefert werden müssen.

Du bist im Bereich „Digital Accelerators“ für Themen rund um die Digitalisierung zuständig. Bist Du Teil eines festen Teams?

Nur fürs laufende Projekt, nicht grundsätzlich. Wir bilden drei Mal im Jahr Projektteams. Dadurch arbeite ich mit vielen Kolleginnen und Kollegen abwechselnd zusammen. Digital Accelerators als Teil von MBMC fokussiert sich auf datenbasierte Problemlösungen. Daher bilden hier meistens ein Data Scientist, Digital Consultant und Projektleitung ein Team. In übergreifenden Projekten ist dann bei Bedarf noch ein Strategieberatender dabei. Als Digital Consultant baue ich die Brücke zwischen dem, was der interne Kunde möchte, und dem, was auf Datenbasis machbar ist. Der Data Scientist überlegt wiederum, wie die Datenarchitektur beschaffen sein muss, um sie nutzbar zu machen, und entwickelt darauf basierend komplexe Modelle. Mein früherer Mentor nannte meinen Job Data Translator, also „Daten-Übersetzer“. Ich zeige unseren Kundinnen und Kunden auf, wie Daten die Arbeit unterstützen und nehme ihre Wünsche mit. Denn das tollste Tool bringt am Ende nichts, wenn es niemand nutzt.

Sind für Dich Agilität und Diversität entscheidende Kriterien für eine erfolgreiche Zusammenarbeit?

Absolut. Agilität entsteht bei uns schon allein durch die dynamischen Projekte. In sehr kurzer Zeit Erfolge zu erzielen, funktioniert auch nur mit agilen Teamstrukturen. Wir arbeiten sehr effizient, noch dazu in Sprints mit den Entwicklerteams. Diversität ist definitiv ein Erfolgskriterium. Wir haben bei MBMC Kolleginnen und Kollegen mit diversen Profilen, zum Beispiel sind wir sehr international und bei uns findet man auch immer Quereinsteiger wie mich. Weil sich das Team-Setup jedes Mal ändern kann, wird es auch nie langweilig. Die verschiedenen Charaktere, Sichtweisen und Herausforderungen schaffen ein großartiges Arbeitsumfeld!

Du bist 2014 direkt nach dem Abitur bei Mercedes-Benz als dualer BWL-Student mit dem Schwerpunkt International Business eingestiegen. Was hat Dich zur Datenanalyse gebracht?

Nach dem Studium habe ich im Employer Branding angefangen und hatte dort im Rahmen von Marketing-Initiativen immer wieder Kontakt zu Data Scientists, Data Analysts und Entwicklerinnen und Entwicklern. Auch mit unserem internen Kompetenzzentrum für Advanced Analytics hatte ich zu tun. Was ich dabei von Möglichkeiten, die Daten bieten, mitbekommen habe, hat mich begeistert. Nach sieben Jahren Betriebszugehörigkeit nutzte ich die Möglichkeit, für ein Jahr freistellen zu lassen, um den Master-Studiengang Business Analytics in Dublin zu absolvieren. Ich hielt Kontakt zum Unternehmen, suchte mir einen Mentor und bewarb mich dann bei Mercedes-Benz Management Consulting.

 „Die Flexibilität zu haben, dort zu arbeiten, wo man möchte, ist toll und spart mir im Zweifel die Pendelzeit.“
„Die Flexibilität zu haben, dort zu arbeiten, wo man möchte, ist toll und spart mir im Zweifel die Pendelzeit.“

Und was war für Dich ausschlaggebend, in Irland zu studieren?

Mein vorheriger Studiengang International Business war zur Hälfte auf Englisch, einen Teil des BWL-Studiums verbrachte ich in Milton Keynes in England und im schottischen Edinburgh. Für den Master-Studiengang wollte ich dann noch einmal für die gesamte Zeit in ein Land dort, wo Englisch die Muttersprache ist. Irland war stark im Ranking und preislich erschwinglicher als Großbritannien (lacht), deshalb ist es Dublin geworden.

Wie war es für Dich, nach mehrjähriger Berufstätigkeit plötzlich wieder Student zu sein?

Das Dasein als Vollzeitstudent war neu: Länger als drei Monate mit Lernen beschäftigt zu sein und sich selbst strukturieren zu müssen, war ungewohnt. Aber ich fand es cool, nochmal den Blick von außen einzunehmen und etwas „Fachfremdes“ zu lernen – auch wenn das Studium ziemlich anstrengend war, insbesondere am Ende. Weil dieser Studiengang nur ein Jahr dauert, habe ich zu Hause in Deutschland nicht den Anschluss verloren.

Arbeitest Du nur am Standort Sindelfingen oder bist Du für Deine Kundinnen und Kunden auch andernorts im Einsatz?

Viele unserer internen Kundinnen und Kunden sind im Raum Sindelfingen ansässig. Kundentermine finden deshalb oft am Standort, in Vaihingen oder Untertürkheim statt. Ich war allerdings bislang noch nicht bei vielen in Vor-Ort-Terminen dabei – ich nehme meistens online teil.

Schätzt Du das hybride Arbeiten?

Ich schätze es, dass ich remote arbeiten kann, bin aber tatsächlich ein großer Bürofreund. Gemeinsam definieren wir im Projektteam, wie oft wir uns im Büro treffen wollen. Im aktuellen Projekt treffen wir uns beispielsweise alle zwei Wochen. Andere Teams arbeiten aber auch größtenteils vor Ort, weil das für sie besser passt. Die Flexibilität zu haben, dort zu arbeiten, wo man möchte, ist toll und spart mir im Zweifel die Pendelzeit.

Was bedeutet Dein Job für Dich und Deine Perspektiven bei Mercedes-Benz?

Mir ist es sehr wichtig, dass meine Arbeit Sinn ergibt. Ich verliere die Lust, wenn ich merke, dass mein Tun zu nichts Besonderem führt. Bei meinem jetzigen Job stelle ich immer wieder fest, dass das, was wir machen, einen hohen Einfluss auf das Unternehmen hat. Wir unterstützen die Unternehmensstrategie, sind Wegbereiter bei der Digitalisierung und erschließen neue Möglichkeiten für die Fachbereiche. Und wir verknüpfen diese Wege mit Wert. Das erfüllt mich. Dabei bin ich eigenverantwortlich für meine Themen, bekomme regelmäßig Feedback und entwickle mich daher kontinuierlich weiter. Ich mag es, viel zu lernen, über den Tellerrand zu schauen und mich in neue Themengebiete einzuarbeiten. Da gibt es für mich keinen besseren Platz, weil ich jedes Trimester entlang der Wertschöpfungskette Sinnvolles leisten kann. Das hilft zudem, ein immer größeres Verständnis für die Gesamtstrategie von Mercedes-Benz zu entwickeln. Und das ist wiederum wertvoll für meinen weiteren Karriereweg.

Was macht für Dich das Arbeiten bei Mercedes-Benz aus?

Ich finde es toll, dass ich an einem Produkt mitwirke, das später auf der Straße zu sehen ist. Und die Mercedes-Benz Group bietet mir die Möglichkeit, den Bereich zu wechseln, Neues kennenzulernen und mich auszuprobieren. Theoretisch kann ich ein Leben lang für diesen Arbeitgeber im Einsatz sein, neue Themenfelder kennenlernen und habe am Ende keinen Bereich zwei Mal gesehen. Das macht für mich das Arbeiten bei Mercedes-Benz so besonders.

Zu Deinen Hobbies zählt Astrofotografie. Ist Dir bei den Aufnahmen schon ein besonderer Glücksgriff gelungen?

Das Gefühl habe ich witzigerweise bei den meisten Aufnahmen (schmunzelt). Mein Ziel, ein besonders schönes Bild der Andromedagalaxie, dem größten Objekt am Nachthimmel, zu „basteln“, habe ich auf jeden Fall schon erreicht. Die Herausforderung bei der Astrofotografie ist, dass die Aufnahmen relativ schwach sind und das Foto-Objekt sich schnell entfernt, man muss das Teleskop permanent nachführen. Ein Hobby für Menschen mit Langmut – es geht viel schief und es dauert lange, bis etwas Brauchbares entsteht. Aber ich mag es, unter den Sternen für mich zu sein, das entschleunigt und schenkt eine neue Perspektive: Egal, was wir hier unten für wichtig erachten, da draußen existiert viel, was wir noch gar nicht kennen.

Unsere Zukunft wird extrem vernetzt, ist sich Tristan Flüchter sicher: Autos, Straßen, Ampeln oder Häuser senden und empfangen Daten, kommunizieren miteinander und machen unser Leben smart. Kein Wunder, dass er während seines Master-Studiengangs Business Analytics von August 2021 bis August 2022 Co-Autor zweier wissenschaftlicher Arbeiten zum Thema Mobilität im Kontext von Smart Cities wurde. Daheim in Göttelfingen schätzt der gebürtige Essener hingegen die ländliche Umgebung des 900-Seelen-Dorfes, um seinem Hobby Astrofotografie nachzugehen. Der Weltraumatlas, den er im Alter von sechs Jahren geschenkt bekam, begründete seine Faszination für ferne Galaxien. Als der Komet Neowise 2020 zu sehen war, konnte er sogar seine Mutter überreden, ihn nachts um vier Uhr aufs Feld zu begleiten, um die einmalige Gelegenheit zu nutzen, den Himmelskörper mit bloßem Auge zu beobachten.