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Fahrsicherheit und -komfort mitgestalten.

Das Team, in dem Himani Porwal bei Mercedes-Benz Research & Development India arbeitet, kümmert sich um die Integration von Fahrassistenzkomponenten wie Radarsensoren oder Kameras in unsere Mercedes-Benz Fahrzeuge, um die Fahrassistenzsysteme so zuverlässig wie möglich zu machen. Warum sie sich dort am richtigen Platz fühlt, welche Fähigkeiten ihr heute bei ihren beruflichen Zielen helfen und was sie im Auto am liebsten tun würde, wenn irgendwann autonomes Fahren möglich ist, verrät sie im Interview.

Himani, als Ingenieurin für Produktdesign im Team Driver Assistance Integration bist Du für Sensoren an Stoßfängern, Kühlerverkleidung und seitlichen Querträgern für die Fahrassistenzsysteme verantwortlich. Wie wichtig ist die richtige Positionierung von Sensoren?

Unsere Kundinnen und Kunden erwarten Funktionen, auf die sie sich verlassen können, um eine komfortable und luxuriöse Fahrweise zu genießen – auch mit dem Fokus auf Sicherheit. Die Sensoren sind an bestimmten Funktionen beteiligt wie zum Beispiel beim Spurwechselassistenten. Diese Funktion unterstützt die Fahrerin oder den Fahrer beim Wechseln der Fahrspur auf Autobahnen. Unsere Radarsensoren können Dinge im toten Winkel erkennen und den Fahrenden informieren. Wäre die Positionierung des Sensors im Stoßfänger fehlerhaft, würde der Fahrende womöglich nicht gewarnt werden. Es könnte auch passieren, dass das System fälschlicherweise anzeigt, es befände sich ein Objekt in der Nähe. Mit der richtigen Sensorpositionierung sind wir also für die Sicherheit verantwortlich sowie für die Funktionen, die unsere Kundinnen und Kunden in einem Mercedes-Benz erwarten.

„Was mir wirklich Spaß macht, ist das gemeinsame Arbeiten an zukunftsweisenden Ideen.“
„Was mir wirklich Spaß macht, ist das gemeinsame Arbeiten an zukunftsweisenden Ideen.“

Welche spezifischen Aufgaben hast Du dabei?

In meinem Job bin ich schon ab der Konzeptionsphase des Designs am Projekt beteiligt. Wir validieren die Sensor- und Funktionspositionierung in jeder Designphase. Mit jeder neuen Generation der Assistenzsysteme steigt der Aufwand bei den Sensorvarianten und damit auch die Komplexität in der Funktionsintegration. Ich bin vor allem in der frühen Entwicklungsphase involviert, in der das Fahrzeug nur digital vorliegt. Hier arbeite ich zusammen mit dem Designbereich und den Lieferanten an der Definition der Sensorposition.

Du arbeitest seit 2019 in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Mercedes-Benz-Werks in Bangalore. Arbeitest Du mit vielen Bereichen und Abteilungen zusammen?

Ich arbeite neben den genannten Design Teams und Lieferanten auch mit den Bereichen Simulation, Testing und Mechatronik zusammen - also zum Beispiel mit Kolleginnen und Kollegen, die den Stoßfänger für uns bauen, die die Simulationen, z.B. elektromagnetische und Schwingungssimulationen durchführen oder die uns bei der Validierung unseres digitalen Aufbaus helfen.

Ist die Zusammenarbeit auch international?

Das macht den Job so besonders. Wir arbeiten mit verschiedenen Standorten und Lieferanten weltweit zusammen. Aus Indien heraus arbeiten wir stärker auf digitaler Basis, aber unser Beitrag hat eine große Reichweite. Ich war in diesem Jahr für ein paar Monate in Deutschland. Das ist für mich das Beste an der internationalen Zusammenarbeit! Im Mercedes-Benz Werk Sindelfingen konnte ich die Sensorpositionierung real erleben. Stehen wir in der Bauphase eines Fahrzeugs vor Herausforderungen, prüfen wir physisch, ob der Sensor in die Halterung passt oder richtig positioniert ist. Das geschieht in Deutschland, daher sind wir auch international im Einsatz. Für mich persönlich war das eine besonders tolle Erfahrung. Ich habe zwar zuvor schon mit zahlreichen deutschen Kolleginnen und Kollegen zusammengearbeitet, sie aber nur in Videokonferenzen gesehen. Sie persönlich zu treffen, macht einen enormen Unterschied. Man baut eine Verbindung auf, das erleichtert den künftigen Kontakt. Der Einblick in die deutsche Arbeitskultur war nicht nur im Hinblick auf den Job, sondern auch für mich persönlich sehr gewinnbringend.

Welche Erkenntnisse hast Du bei deinem Besuch im Werk Sindelfingen gewonnen?

Ich war an verschiedenen Fahrzeugbauten beteiligt, sammelte Erfahrungen im Werk und nahm an Erprobungsversuchen teil – dabei habe ich definitiv ein tieferes Verständnis für meine Arbeit gewonnen. Ich wusste zwar, was ich tue, aber nicht, wie meine Arbeit in der Realität aussieht, da ich sie bis dahin immer nur auf dem Bildschirm gesehen habe. Mein Besuch war vor allem also eine große Praxiserfahrung.

Was schätzt Du am meisten an deiner Arbeit?

Ich schätze den Aspekt, dass wir zum großen Ganzen beitragen. Automatisiertes Fahren ist das „Next Big Thing“. Wir bewegen uns mit fortschreitender Technologie weiter in Richtung Innovation, Nachhaltigkeit, autonomes Fahren... Mein Arbeitsprofil hängt direkt mit diesen Bereichen zusammen. Darin steckt noch so viel Potenzial! Das wird sich immer weiterentwickeln. Ich schätze am meisten, dass mir meine Arbeit eine Plattform für weitere Entwicklungsmöglichkeiten bietet. So empfinde ich keinen Stillstand, sondern kann kontinuierlich lernen und wachsen. Ich spreche ständig mit verschiedensten Personen aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen, erfahre, was sie tun, und lerne neue Dinge. Dann entscheide ich, worüber ich mehr erfahren möchte und welche Bereiche mich interessieren. Mir stehen alle Ressourcen zur Verfügung und ich kann eigenverantwortlich Entscheidungen treffen!

„Für mich war der Einblick in die deutsche Arbeitskultur nicht nur mit Blick auf den Job, sondern auch für mich selbst äußerst gewinnbringend.“
„Für mich war der Einblick in die deutsche Arbeitskultur nicht nur mit Blick auf den Job, sondern auch für mich selbst äußerst gewinnbringend.“

Du hast Industrie- und Produkttechnik in Mysore (Indien) studiert. Woher stammt Dein Interesse für Technik?

Als Kind bin ich gerne mit dem Zug gefahren. Als ich mit meiner Schulklasse einen Ausflug zum Eisenbahnmuseum gemacht habe, in dem viele alte Züge ausgestellt waren, weckte das mein Interesse an der Entwicklung von Technologien. Für mich geht es außerdem darum, etwas Konkretes schaffen zu können. Deshalb interessierte mich die Automobilbranche und die Industrie- und Produkttechnik. Ich stellte mir vor, dass ich hier sichtbar und spürbar Einfluss ausüben könnte und „mein Produkt“ Kundinnen und Kunden erreichen würde. Als Mercedes-Benz dann an meiner Universität zu Gast war, erfuhr ich mehr über das Unternehmen und wollte dort arbeiten. Was dann zum Glück auch klappte.

In Deinem Team in Bangalore kümmerst Du Dich um die Integration von Fahrerassistenzkomponenten wie Kameras und Radaren. Wie können wir uns Dein Team vorstellen, wie gestaltet sich eure Zusammenarbeit?

Alle Komponenten sind im Grunde genommen in Kombination erforderlich, da sie für die notwendigen Funktionen miteinander kommunizieren. Wenn nur eine Komponente versagt, versagen wir als Team zusammen. Wir sind also voneinander abhängig, auch wenn wir nicht direkt miteinander arbeiten. Beispielsweise arbeitet ein Kollege an Kameras, während ich an Radarsensoren arbeite. Wir müssen viel interagieren, da alle Komponenten am Stoßfänger befestigt werden, aber zwei Sensoren nicht zu nah aneinander liegen dürfen. Während ich meinen Radarsensor positioniere, positioniert ein anderer Kollege seinen Parksensor: Die Kamera hat besondere Stärken bei der Objektklassifizierung, Radarsensoren sind besonders gut beim Erkennen von Geschwindigkeitsdifferenzen. Am gleichen Stoßfänger befinden sich noch weitere Fahrassistenzkomponenten. Gemeinsam stellen wir sicher, dass sämtliche Anforderungen erfüllt werden. Wir arbeiten bei jedem Fahrzeug agil zusammen. Wenn ich beispielsweise auf Projektebene an einer Fahrzeugbaureihe arbeite, dann arbeite ich eng mit einem Teammitglied zusammen, das zwar an einem anderen Sensor, aber an der gleichen Fahrzeugbaureihe arbeitet. Was mir wirklich Spaß macht, ist das gemeinsame Arbeiten an zukunftsweisenden Ideen. Innovation wird sehr gefördert, was uns dabei hilft, über den Tellerrand hinauszuschauen. Die Arbeit in einem Team, das nach Spitzenleistungen strebt, hilft mir, über mich hinaus zu wachsen.

Du hast durch die CSR-Initiative „Mercedes in Mech“ von Mercedes-Benz Research and Development India (MBRDI) ein Vollstipendium erhalten und nach einem Praktikum Deine erste Vollzeitstelle angetreten. Wie wichtig war diese Förderung für Dich?

Für mich war das ein großartiger Start! Es hat meiner Karriere einen Schub gegeben, da ich gerade dabei war, mich für einen zukünftigen Arbeitsbereich zu entscheiden. Mercedes-Benz stellte uns im zweiten Studienjahr am Campus „Mercedes in Mech“ vor. Dabei geht es darum, Frauen zu ermutigen, sich dem mechanischen Bereich zuzuwenden. Ich machte daraufhin ein Praktikum im Unternehmen und wurde als eine von sechs Kommilitoninnen für das zweijährige Stipendienprogramm vorgeschlagen. Ich bekam vom ersten Tag an ein gutes Mentoring. So konnte ich mich besser in die Unternehmenskultur und -prozesse von Mercedes-Benz einleben. Daraufhin ergab sich dann die Chance auf eine Vollzeitstelle. Die Möglichkeit bot sich mir zur richtigen Zeit und mit den richtigen Menschen!

Während Deines Studiums hast du in der Non-Profit Organisation „Make a Difference“ mitgearbeitet, um Kindern in Notunterkünften Bildung zu ermöglichen. Welche Bedeutung hat dieses ehrenamtliche Engagement für Dich und wie hat es Deine persönliche Entwicklung beeinflusst?

Ich begann mit der Freiwilligenarbeit direkt im ersten College-Jahr. Ich habe das Privileg einer Bildung genossen, während es gleichzeitig viele Kinder in Indien gibt, die dieses Privileg nicht haben. Natürlich können wir nicht alles von heute auf morgen ändern, aber man kann persönlich etwas beitragen, das vielleicht später Erfolg bringt. In den ersten beiden Jahren war ich freiwillige Lehrkraftunterstützung, dabei unterrichtete ich Kinder in den Klassen 5 bis 10 in Englisch, Mathematik und Wissenschaft. Meistens halfen wir den Kindern beim Lernen, aber leisteten auch emotionale und mentale Unterstützung. In der 10. Klasse halfen wir ihnen bei den Prüfungen und bei der Berufswahl. Manche von ihnen melden sich später und berichten von ihrem weiteren Werdegang. Bei meiner Arbeit für „Make a Difference“ habe ich keinen monetären Beitrag geleistet, sondern eigentlich nur meine Zeit, meine Denkweise und teilweise mein Wissen bereitgestellt, und trug damit zum größeren Ganzen bei. Im Laufe der fünf Jahre konnte ich auch meine eigenen Fähigkeiten ausbauen. Ich schulte zum Beispiel andere Freiwillige. Die Organisation ist sehr groß, sie ist in Indien in 14 Staaten und 23 Städten tätig. Es war, als wäre man Teil eines richtigen Unternehmens. Ich erwarb Führungskompetenzen, Präsentations- und Projektmanagementfähigkeiten. Ich lernte, wie ich freiwillige Helferinnen und Helfer führen, ein Projekt oder Team leiten und Konflikte lösen kann. Diese Arbeit hat mir auch in meiner persönlichen Entwicklung sehr geholfen.

Welches persönliche Ziel möchtest Du noch erreichen?

Mein größtes persönliches Ziel ist eine Kombination aus Projektleitung und Führungsrolle, bei der ich nah am Thema sein kann, von Anfang bis Ende weiß, was passiert, und gemeinsam mit meinem Team an der Umsetzung eines Ziels arbeiten kann. Das möchte ich im Laufe der Zeit erreichen.

Letzte Frage: Wenn automatisiertes Fahren auf der sogenannten Stufe 4 der Standard auf den Straßen wird, was würdest Du während der Fahrt meistens tun?

Ich würde mich wahrscheinlich entspannt zurücklehnen und während der Fahrt schon den nächsten Reiseplan erstellen, denn ich verreise sehr gerne. Vermutlich würde ich im Internet nach Orten und Restaurants suchen, die ich besuchen und erkunden kann, da ich auch eine Feinschmeckerin bin (lacht). Reiserouten zu erstellen, ist eine echte Leidenschaft von mir. Oder aber ich würde den Großteil der Zeit damit verbringen, eine Bucket-List mit Dingen, die ich noch gerne machen will, zu erstellen.

Für den Job bei Mercedes-Benz Indien zog Himani Porwal vom südindischen Mysore, wo sie mit zwei Geschwistern aufwuchs und Industrie- und Produkttechnik studierte, nach Bangalore, dem „Silicon Valley“ von Indien. Ein viermonatiger Einsatz im Mercedes-Benz Werk Sindelfingen 2023 war ihr erster Auslandsaufenthalt. Sie erledigte während dieser Zeit nicht nur zwei Dinge von ihrer „Bucket-List“ – Fallschirmspringen und Sporttauchen –, sondern nutzte jedes Wochenende und freie Tage zum Reisen und erkundete neben Deutschland auch Frankreich, die Niederlande, die Schweiz, Österreich und Tschechien. Reisen ist für Himani vor allem eine Möglichkeit, Menschen kennenzulernen. Das gelingt ihr bestimmt auch bei ihrem nächsten geplanten Trip: eine Trekking-Tour um die Seen von Kashmir in Nordindien.