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„Ich möchte alles, wozu ich fähig bin, aus mir herausholen!“.

Tamas Harta kam 2015 aus Ungarn für einen beruflichen Neustart nach Deutschland. Der 28-Jährige ist seit seiner Geburt schwersthörig. Für seine Ausbildung als Mechatroniker im Mercedes-Benz Werk Sindelfingen war seine Behinderung ebenso wenig ein Problem wie für seinen Einsatz als Werker im Mercedes-Benz Werk Düsseldorf. Wie die Zusammenarbeit mit Hörenden läuft, welche die größten Herausforderungen für ihn sind und warum Augenkontakt für ihn wichtig ist, verrät der technikbegeisterte Mechatroniker im Interview.

Tamas, du bist seit einigen Monaten Mitarbeiter im Rohbau der Produktion im Mercedes-Benz Vans Werk Düsseldorf. Was machst du genau?

Ich kümmere mich um die rechte Seitenwand der Vans. Bei uns im Team werden die Teile aus dem Presswerk für die Karosseriefertigung eingelegt und dabei wird kontrolliert, ob sie vielleicht beschädigt sind.

Wie können wir uns dein Team vorstellen?

In der Meisterei sind wir ein großes Team, das aus Anlagenführern und Werkern besteht. Es gibt mehrere Stationen: an einer wird der Innenteil der Seitenwand gefertigt, an einer anderen die Beplankung. Danach werden die Teile zusammengebaut, bevor es mit den Außenteilen weitergeht. Für mich ist es immer wieder faszinierend zu sehen, wie sich die verschiedenen Teile mit Hilfe von Robotern zu einem Ganzen zusammenfügen!

Was ist für dich am wichtigsten in der Zusammenarbeit?

Ich erwarte es zwar nicht, aber für mich als schwerhöriger Mensch ist es leichter, wenn mein Gegenüber auf unseren Augenkontakt wartet, bevor er oder sie anfängt, mit mir zu sprechen, weil ich von den Lippen ablesen muss. Fängt mein Gegenüber schon vorher an, habe ich bereits einen Teil verpasst. Wichtig ist für mich auch eine deutliche Artikulation und ein langsames Sprechtempo.

Dass die Karosserie der Vans einwandfrei gefertigt ist, dazu trägt Tamas jeden Tag seinen Teil bei – Seite an Seite mit Robotern.

War deine Hörschädigung ein Hindernis während deiner Ausbildung im Mercedes-Benz Werk Sindelfingen?

Ich hatte tolle Kolleginnen und Kollegen, wie auch Meister, die mir viel Verständnis entgegengebracht haben, als ich 2019 meine Ausbildung begann. Wenn ich etwas nicht verstanden habe, haben sie es einfach wiederholt. Das wurde schwieriger als mit der Corona-Pandemie die Maskenpflicht kam. Dann konnte ich weder die Lippenbewegungen beobachten noch gut verstehen, was hinter der Maske gesagt wurde. Bei Gruppenbesprechungen mussten alle Maske tragen. Aber auch diese Hürde habe ich gut überwunden. Ein Kollege hat mir zum Beispiel immer alles zusammengefasst, bis die Lockerung der Maskenpflicht kam.

Warst du schon immer technikbegeistert?

Ja, ich hatte schon immer Interesse an Computern und Maschinen. Deshalb habe ich mich auch für eine Mechatroniker-Ausbildung entschieden. Robotik ist unglaublich spannend. Was die heutige Technik kann, ist toll – und dass die Anlagen so gebaut und programmiert sind, dass wir sie einfach bedienen können. Mit Robotern kann man praktisch alles machen: Schweißen, Nieten, Schrauben – fast alles, was man für den Zusammenbau eines Autos braucht.

Gab es für dich bislang besondere Herausforderungen im Job?

Die Ausbildung war gelegentlich herausfordernd, weil Deutsch nicht meine Muttersprache ist und weil zu Hause zwei kleine Kinder meine Aufmerksamkeit forderten. Meine Kolleginnen und Kollegen haben mir geholfen, indem sie mich korrigiert und mir Tipps gegeben haben. Zum Glück lerne ich schnell. Es ist mir sogar gelungen, die Ausbildung mit der Note „Sehr gut“ abzuschließen – das wäre ohne die Unterstützung meiner Frau nicht möglich gewesen. Der Erfolg motiviert mich zur Weiterbildung, denn er zeigt mir, dass ich noch mehr kann!

„Es ist mir gelungen, die Ausbildung mit der Note „Sehr gut“ abzuschließen – das wäre ohne die Unterstützung meiner Frau nicht möglich gewesen. Das motiviert mich zur Weiterbildung, denn es hat mir gezeigt, dass ich noch mehr kann!“

Wie kommt es, dass du jetzt bei Mercedes-Benz Vans in Düsseldorf arbeitest?

Meine Frau und ich haben lange über den Wechsel nachgedacht. Unsere jüngste Tochter ist auch schwerhörig. Hier im Raum Düsseldorf gibt es bessere Schulen und mehr Veranstaltungen für Gehörlose als im Raum Stuttgart. Meine Frau, die wie ich schwerhörig ist, kommt aus Litauen, ich aus Ungarn, unsere Familien leben jeweils in unserer alten Heimat. Von Düsseldorf aus gibt es in beide Länder bessere Verbindungen. Bislang haben wir es nicht bereut. Düsseldorf ist wunderschön.

Hast du dir berufliche Ziele gesetzt?

Ich kann mir vorstellen, auch noch eine Techniker-Weiterbildung zu machen. Aber als nächstes möchte ich erst einmal eine Stelle als Anlagenführer, als Instandhalter oder im Betriebsmittelbau. Den Betriebsmittelbau finde ich sehr abwechslungsreich. Es ist ein schöner Gedanke, etwas Neues mitaufzubauen. Grundsätzlich möchte ich alles, wozu ich fähig bin, aus mir herausholen (lächelt).

Was schätzt du an Mercedes-Benz als Arbeitgeber?

Ich bin zunächst sehr dankbar, dass mir Mercedes-Benz eine Chance gegeben hat. Dass ich, vor wenigen Jahren aus Ungarn hergezogen, hier arbeiten kann, ist für mich großartig! Viele haben keine Ahnung, was es heißt, gehörlos oder blind zu sein oder im Rollstuhl zu sitzen. Für Menschen mit Behinderung kann es in der Arbeitswelt sehr schwer sein. Mit Mercedes-Benz als Arbeitgeber haben Menschen wie ich mehr Möglichkeiten. Hier gibt es immer wieder neue Herausforderungen, man kann sich ständig weiterentwickeln.

Noch eine persönliche Frage: Wenn du dir einen Roboter für bestimmte Tätigkeiten in deiner Freizeit wünschen könntest, was müsste dieser Roboter können?

Er müsste direkt hinter meinen Kindern herlaufen und aufräumen, was sie an Chaos angerichtet haben (lacht).

Ohne Hörgerät hört Tamas Harta (28) praktisch nichts, seine Hörschädigung ist vererbt. Auch seine Frau, die er bei einem EU-Austauschprogramm kennenlernte, ist schwerhörig, doch beide kommen in ihrer Wahlheimatstadt Düsseldorf sehr gut damit zurecht. Der Vater von zwei Töchtern, 3 und 1,5 Jahre alt, hat früher Fußball in der ungarischen Nationalmannschaft für Gehörlose gespielt, doch mehrere Verletzungen beendeten seine Karriere. Heute hält er sich mit Radfahren oder Wandern fit und erkundet mit seiner Familie am liebsten die neue Heimat Düsseldorf und Umgebung. Lieblingsausflugsziel ist derzeit der Wildpark. Mercedes-Benz als Marke hat den gebürtigen Ungarn schon immer begeistert, aus drei Gründen: Design, AMG und Formel 1. Wenn er sich nicht draußen bewegt, schaut er mit seiner Frau gerne Basketball, denn in Litauen, dem Heimatland seiner Frau, werde dieser Sport sehr verehrt, sagt Tamas.