Interview mit Alexandra Boivida und Heike Hartrath.

Mercedes-Benz Pride

„Jeder Mensch soll so sein dürfen, wie er ist“.

Mercedes-Benz fördert eine vielfältige Belegschaft, schätzt die Einzigartigkeit jedes Teammitglieds und setzt sich für eine integrative Unternehmenskultur und Chancengleichheit ein. Doch was bedeutet das im Arbeitsalltag – wie fühlt es sich zum Beispiel an, im Unternehmen offen zu seiner Homosexualität zu stehen?

Wir haben mit zwei Kolleginnen gesprochen, die sich bereits vor vielen Jahren geoutet haben: Heike Hartrath, Business Partnerin im HR-Bereich für den Own Retail in Deutschland und in Europa sowie den Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland in Berlin, und Alexandra Boavida, Leiterin Marketing & Sales in Südafrika. Hier erzählen sie von den Reaktionen auf ihr Outing und warum es wichtig ist, zu sich selbst zu stehen

Heike Hartrath.
Heike Hartrath.
Alexandra Boavida.
Alexandra Boavida.
Heike Hartrath.
Alexandra Boavida.

Heike, Alexandra, wann haben Sie sich in Ihrem beruflichen Umfeld geoutet? Wie waren die Reaktionen?

Heike Hartrath: Ich habe früher an der Uni gearbeitet. Da spielte meine sexuelle Orientierung überhaupt keine Rolle. Als ich dann Ende der 90er Jahre ins Unternehmen kam, musste ich mich erstmals damit auseinandersetzen. Eine Freundin hat mir damals geraten, ich solle nicht von Anfang an sagen, dass ich lesbisch bin, das Unternehmen sei konservativ. Den Rat habe ich zunächst befolgt. Um vom Wochenende und Urlauben erzählen zu können, habe ich Frank erfunden, einen fiktiven Lebenspartner. Das ging etwa ein dreiviertel Jahr so, dann habe ich mich gefragt, was das soll. Ich bin glücklich, so wie ich bin. Ich möchte mich nicht verstecken müssen. Deshalb habe ich von da an den Personen, die ich mochte, erzählt, dass ich mit einer Frau zusammenlebe. Die Reaktion von allen war unisono: „Aha. Und?“ Es war überhaupt kein Thema für sie.

Alexandra Boavida: Bei mir war es ähnlich. Als ich vor vielen Jahren meine berufliche Laufbahn außerhalb von Mercedes-Benz begonnen habe, war Homosexualität in der Gesellschaft ein absolutes Tabu. Irgendwann, als ich die Menschen in meinem Arbeitsumfeld besser gekannt habe und Vertrauen gefasst hatte, habe ich mich geoutet. Im Verlauf meiner Karriere habe ich für verschiedenste Unternehmen gearbeitet. Diese Unternehmen verbindet, dass sie die gleichen Werte und Moralvorstellungen vertreten wie ich – zum Beispiel Vielfalt oder Chancengleichheit. Das hat mir geholfen. Ich habe mich für diese Unternehmen entschieden, weil sie es mir ermöglichten, ich selbst zu sein und mich nicht für eine Karriere verstellen zu müssen. Ich glaub nicht, dass ich in einem Unternehmen überleben würde, in dem es diese Werte nicht gibt.

Haben Sie auch negative Rückmeldungen bekommen und wie sind Sie damit umgegangen?

Alexandra Boavida: Nicht von Menschen aus meinem Arbeitsumfeld, die mir wichtig sind. Ich glaube, es hat mir geholfen, dass ich mir treu geblieben bin und ich so bin, wie ich bin. Die Leute mögen mich, oder sie mögen mich nicht. Es gab einmal einen Kollegen, der mich „bekehren“ wollte. Das klappt bei mir nicht. Ich bin lesbisch geboren worden, das ist nicht über Nacht passiert. Trotz langer Gespräche hat er es immer wieder versucht. Irgendwann dachte ich, er ist meine Zeit nicht wert. Also habe ich ihn ignoriert und er hat es dann auch nicht mehr versucht. Aber auch wenn ich mit meiner Frau unterwegs bin, hören wir immer wieder negative Kommentare. Die Gesellschaft kann ein hässlicher Ort sein. Ich glaube, es macht den Menschen Angst, das Leben zu wählen, das sie wollen. Man muss mit seinen Entscheidungen für sich selbst glücklich sein, nicht für jemand anderen.

Was ist Ihr Rat an alle, die sich outen wollen?

Heike Hartrath: Das würde ich auch raten. Wenn man weiß, was man braucht, um glücklich zu sein, sollte man sich von nichts und niemanden davon abhalten lassen. Wen ich liebe, das ist mein größtes privates Glück. Gerade im beruflichen Kontext hat dazu niemand etwas zu sagen. Aber es gibt natürlich immer wieder Leute, die das tun. Da gibt es für mich zwei Wege: Entweder, ich schaue durch diese Leute durch oder ich antworte schlagfertig. Wem schlagfertige Antworten oft erst im Nachhinein einfallen, dem kann es helfen, wenn man vier, fünf Antworten parat hat. Die müssen nicht hundertprozentig passgenau sein. Das, was der andere sagt, ist es ja auch nicht.

Alexandra Boavida: Auch wenn es schwer erscheint, ich glaube wirklich, dass es wichtig ist, authentisch zu sein. Man muss glücklich sein mit dem Leben, das man gewählt hat. Und wenn man nicht glücklich ist, sollte man unbedingt etwas ändern. Es ist wichtig, mutig für sich selbst zu sein und diese Entscheidung eher früher als später zu treffen. Wenn man sein Leben nicht so lebt wie man möchte, zahlt man auf Dauer einen höheren Preis, als wenn man den Schritt wagt und sich outet.

Mercedes-Benz engagiert sich bei zahlreichen Pride-Paraden. Nehmen Sie daran teil?

Heike Hartrath: Ich bin so etwas wie die „Oma des CSD“ (lacht). Vor über zehn Jahren haben wir gesagt, da müssen wir als Unternehmen mitmachen und Haltung zeigen – es ist schließlich eine politische Demonstration. Wir waren dann eines der ersten Unternehmen, das in Berlin beim Christopher Street Day mitgefahren ist. Das war ein großer Auftritt. Seitdem sind wir als Unternehmen mit von der Partie. Dieses Jahr bin ich auch wieder auf dem Truck.

Alexandra Boavida: Ich werde, wie jedes Jahr, bei der Parade in Johannesburg dabei sein. Als ich vor elf Jahren zu Mercedes-Benz kam, habe ich mich dafür eingesetzt, dass wir zur PrideParade Autos in Regenbogenfarben foliert haben. Bei der letzten Parade, die direkt an „meinem“ Autohaus vorbeikam, waren sieben folierte Mercedes-Benz dabei. Und alle meine Kolleginnen und Kollegen waren mit dabei. Das hat mich so stolz gemacht! Ich bin froh, bei einem Unternehmen zu arbeiten, das Flagge zeigt und Vielfalt auf allen Ebenen begrüßt. Wir sollten immer für Vielfalt eintreten. Denn zusammen bilden wir dieses erfolgreiche Mercedes-Benz Team. Gerade, weil wir so unterschiedlich denken.

Was wünschen Sie sich für queere Beschäftige im Unternehmen?

Alexandra Boavida: Dass es im Unternehmen so weitergeht wie bisher. Dass jeder Mensch so sein darf, wie er ist. Und dass wir weiterhin die Welt verändern.

Heike Hartrath: Ich kann Alexandra nur zustimmen. Ich wäre nicht 25 Jahre dabeigeblieben, wenn ich das nicht so erleben würde.