Vorläufer des Automobils.

Unabhängig von Carl Benz arbeiteten im 19. Jahrhundert auch andere Erfinder an der Entwicklung eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor. Zu diesen Pionieren gehörten der Schweizer Isaac de Rivaz (1807), der Belgier Jean-Joseph-Etienne Lenoir (1863) und Siegfried Marcus in Österreich (1870). Zum Teil gab es diese Fahrzeuge nur auf dem Papier, zum Teil waren sie kleine selbstfahrende Wägelchen, die keine Personen befördern konnten.

Das erste von Maschinenkraft angetriebene Fahrzeug: Dampfwagen von Nicolas-Joseph Cugnot, 1769. Zeichnung von Hans Liska, 1958.

Als erstes von Maschinenkraft angetriebenes Fahrzeug überhaupt gilt der 4.000 kg schwere dreirädrige Dampfwagen, den der Franzose Nicolas-Joseph Cugnot 1769 vorgestellt hat. In der Folgezeit entstanden weitere Dampfwagen, die zum Teil auch in Serie gebaut wurden. Nachteile der mit Dampfmaschinen angetriebenen Fahrzeuge waren das sehr hohe Gewicht des Antriebs und die Notwendigkeit, das Fahrzeug einige Zeit vor der Abfahrt in Betrieb nehmen zu müssen.

Demgegenüber versprach der Verbrennungsmotor eine Reihe von Vorteilen. Isaac de Rivaz entwickelte 1807 ein einfaches Versuchsfahrzeug, das mit Wasserstoffgas betrieben werden sollte. Jean-Joseph-Etienne Lenoir konstruierte 1863 einen Motorwagen, der mit dem von ihm erdachten atmosphärischen Gasmotor ausgerüstet war.

Der in Wien lebende Deutsche Siegfried Marcus baute 1870 aus einem einfachen Handwagen, den er mit einem von ihm selbst konstruierten und gebauten atmosphärischen Motor kombinierte, seinen ersten einfachen Motorwagen. Die beiden Schwungräder des Motors dienten dabei als Hinterräder.

Zweiter Motorwagen von Siegfried Marcus, 1888/89. Die irrtümliche Datierung auf 1875 wurde erst 1968 eindeutig widerlegt. Zeichnung von Hans Liska, 1958.

1888/89 entwickelte Marcus seinen zweiten Motorwagen: ein Fahrzeug mit Viertakt-Ottomotor, das mit Oberflächenvergaser und elektrischer Zündanlage ausgerüstet war – Komponenten, die Marcus ebenfalls selbst konstruiert hatte. Größere Fahrten mit diesem Fahrzeug sind nicht überliefert, und statt einer Weiterentwicklung wandte sich der vielseitige Erfinder Siegfried Marcus anderen Themen zu.

1883 hatten die Franzosen Edouard Delamare-Deboutteville und Léon Malandin einen Verbrennungsmotor auf Basis des Ottomotors gebaut und ihn zunächst in einem dreirädrigen Chassis erprobt. Nach der Explosion dieses Versuchsfahrzeugs bauten sie einen Zweizylindermotor in eine Kutsche ein, beendeten alle ihre Versuche aber nach einem Bruch des Rahmens.

Carl Benz war der erste Erfinder, der nicht nur die Idee zu einem motorgetriebenen Fahrzeug hatte, es konstruierte, baute und erprobte. Seine große Leistung besteht in der Konsequenz, mit der er seine Idee vom „Wagen ohne Pferde“ zu einem alltagstauglichen Produkt entwickelte, das er auf den Markt brachte und seine Idee damit für die Welt nutzbar machte - im Gegensatz zu den anderen genannten Erfindern.