Elektrisches Produktionsnetzwerk.

29. Juni 2022 - Mercedes-Benz richtet sein hochflexibles Produktionsnetzwerk auf „electric only“ aus. Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite haben die europäische Produktionsordnung der nächsten Jahre vereinbart.

Mercedes-Benz Fahrzeugwerke setzen Elektro-Offensive konsequent um

In den Werken der Mercedes-Benz AG lassen sich dank hochflexibler Strukturen parallel Fahrzeuge mit verschiedenen Antriebsarten auf einer Linie produzieren. Mit Blick auf das strategische Ziel vollelektrisch zu werden, ist das hohe Maß an Flexibilität ein entscheidender Vorteil. Es ermöglicht, kurzfristig je nach Marktnachfrage die Produktion anzupassen.

Die Produktion der vollelektrischen EQS Luxuslimousine startete im vergangenen Jahr in der Factory 56 im Mercedes-Benz Werk Sindelfingen. In der Factory 56 werden die S-Klasse, die Mercedes-Maybach S-Klasse und der EQS völlig flexibel auf derselben Linie produziert. Die Factory 56 verkörpert die Zukunft der Produktion bei Mercedes-Benz und setzt neue Maßstäbe im Automobilbau.

Das Werk Sindelfingen verantwortet darüber hinaus die Produktion der Mercedes-Benz E-Klasse mit Limousine, T-Modell und der Offroad-Variante All-Terrain, CLS sowie der Mercedes-AMG GT Familie und ergänzt sein Portfolio in Kürze um den GLC. Sindelfingen ist das Leadwerk im Top End Luxury Segment und wird ab 2025 Modelle der AMG.EA-Plattform produzieren.

Das Mercedes-Benz Werk Bremen hat vor einigen Monaten mit der Produktion des vollelektrischen EQE begonnen. Bereits im Mai 2019 wurde der EQC (Stromverbrauch kombiniert: 21,5 kWh/100 km; CO₂-Emissionen kombiniert: 0 g/km)** im norddeutschen Mercedes-Benz-Werk in die laufende Serienfertigung integriert. Neben den beiden vollelektrischen Modellen laufen in Bremen die C-Klasse mit Limousine, T-Modell, Coupé und Cabrio, die E-Klasse mit Coupé und Cabrio, der GLC sowie das GLC Coupé und der AMG SL vom Band. Ab Mitte der Dekade wird ein Modell der MB.EA-Plattform in die Produktion integriert.

Das Mercedes-Benz Werk Rastatt produziert das vollelektrische Kompaktmodell EQA seit 2021. Das Werk verantwortet zudem die Produktion der Kompaktfahrzeuge A-Klasse, B-Klasse und GLA mit Verbrennungsmotor und Plug-in-Hybrid. Ab 2024 sollen im Werk neue Modelle auf Basis der MMA-Plattform vom Band laufen. Im Entry Luxury Bereich wird das Unternehmen die Anzahl der Karosserievarianten von sieben auf vier reduzieren und gleichzeitig die technologische Substanz der Produkte erheblich aufwerten. Mit diesen Veränderungen positioniert sich Mercedes-Benz neu im Segment und geht noch präziser auf die Wünsche anspruchsvoller Kunden ein.

Der Kompakt-SUV EQB startete 2021 im Mercedes-Benz Werk Kecskemét und ist das erste rein elektrisch angetriebene Serienfahrzeug aus Ungarn. Das Modell ergänzt das Portfolio bestehend aus CLA Coupé und CLA Shooting Brake sowie der A-Klasse mit ihren konventionellen, Plug-in-Hybrid und AMG-Versionen. Ab 2024 werden neue Modelle auf Basis der MMA-Plattform sowie ein Modell der MB.EA-Plattform in Kecskemét vom Band laufen.

Beijing Benz Automotive Co. Ltd. (BBAC) produziert seit 2005 lokal Mercedes-Benz Fahrzeuge für den chinesischen Markt. Vor wenigen Wochen startete die Produktion der vollelektrischen Business-Limousine EQE im Werk Shunyi. Das Mercedes-EQ Produktionsportfolio des Joint Ventures umfasst damit bereits vier Modelle: In 2019 startete die Produktion des EQC. Seit 2021 werden der EQAsowie der EQB lokal produziert. Auch die C-Klasse (Langversion), E-Klasse (Langversion), A-Klasse (Langversion), GLA, GLB, GLC (Langversion) und der AMG A 35 L werden innerhalb des Joint Ventures lokal gefertigt.

Das Mercedes-Benz Werk in Tuscaloosa, USA, wird in Kürze mit der Produktion des EQS SUV beginnen, der EQE SUV folgt später im Jahr. Beide Modelle werden auf derselben Linie zusammen mit den SUVs mit konventionellem Antrieb produziert. In Tuscaloosa laufen heute der GLE, GLE Coupé, GLS und Mercedes-Maybach GLS vom Band.

Globaler Batterie-Produktionsverbund: Zentraler Erfolgsfaktor für die Elektro-Offensive von Mercedes Benz

Die Batterien für die Mercedes-EQ Elektrofahrzeuge liefert ein globaler Batterie-Produktionsverbund mit Fabriken auf drei Kontinenten. Die lokale Batteriefertigung ist ein zentraler Erfolgsfaktor für die Elektro-Offensive von Mercedes-Benz.

Zwei Fabriken im sächsischen Kamenz produzieren bereits seit 2012 Batteriesysteme für Hybride und Elektrofahrzeuge. Die zweite Batteriefabrik am Standort hat 2018 den Betrieb aufgenommen und produziert seit 2019 die Batteriesysteme des EQC und seit 2021 für die kompakten elektrischen SUVs. Seit Produktionsstart der Accumotive wurden am Standort Kamenz mehr als eine Million Batterien produziert.

Beijing Benz Automotive Co. Ltd. (BBAC) hat eine lokale Batterieproduktion am bestehenden Standort im Yizhuang Industrial Park in Beijing, China, aufgebaut. Sie beliefert die Fahrzeugwerke zur lokalen Produktion. Dort startete 2019 die Produktion von Batteriesystemen für den EQC. Die Produktion von Batteriesystemen für die EQE hat in diesem Jahr begonnen.

Ebenfalls 2019 eröffnete Mercedes-Benz gemeinsam mit dem lokalen Partner Thonburi Automotive Assembly Plant (TAAP) ein Batterieproduktionswerk in Bangkok, Thailand. Dort werden Batteriesysteme für Plug-in-Hybride und vollelektrische Fahrzeuge gefertigt.

Das Mercedes-Benz Batteriewerk im polnischen Jawor produziert seit 2020 Plug-in-Hybridbatterien für die C-, E- und S-Klasse. 2021 erweiterte der Standort sein Portfolio um Batteriesysteme für die kompakten Modelle Mercedes EQA und EQB.

Am Standort Untertürkheim produzieren gleich zwei Fabriken Batteriesysteme. Im Werksteil Hedelfingen laufen seit 2021 Batterien für den EQS und EQE vom Band. Im Werksteil Brühl startete vor wenigen Wochen die Produktion von Plug-in-Hybrid-Batterien, die u.a. im neuen GLC zum Einsatz kommen werden.

Die neue Batteriefabrik in Bibb County in der Nähe des Mercedes-Benz Fahrzeugwerks in Tuscaloosa, Alabama (USA), hat in diesem Jahr den Betrieb aufgenommen und noch in diesem Jahr hocheffiziente Batteriesysteme für den vollelektrischen SUV EQS und EQE SUV produziert.

Der Mercedes-Benz Batterie-Produktionsverbund wird zudem um eine weitere Batteriefabrik am Standort Sindelfingen ergänzt.

Elektrische Antriebssysteme im Produktionsnetzwerk

Mercedes-Benz erhöht die Fertigungs- und Entwicklungstiefe im Bereich der elektrischen Antriebstechnik gezielt weiter. Die nächste Generation elektrischer Antriebssysteme wird inhouse entwickelt. Die Fertigung und Montage von Teilen der elektrischen Antriebssysteme für zukünftige Modelle der Marke Mercedes-EQ beginnt Ende 2024 im Werk Untertürkheim.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Übernahme des britischen Elektromotorenunternehmens YASA. Dadurch erhält Mercedes-Benz Zugang zu einzigartiger Axialflussmotortechnologie und Know-how für die Entwicklung von Ultra-High-Performance Elektromotoren der nächsten Generation. Das Mercedes-Benz Werk Berlin wird sein Produktionsportfolio künftig um die Herstellung und Montage dieser Elektromotoren erweitern.

Nachhaltigkeit in der Produktion

Mercedes-Benz verfolgt das Ziel, im Vergleich zu 2020, die CO₂-Emissionen pro Pkw über den gesamten Lebenszyklus hinweg bis zum Ende dieses Jahrzehnts mindestens zu halbieren. Die wichtigsten Hebel hierfür sind die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte, das Laden mit Grünstrom, die Verbesserung der Batterietechnologie sowie ein umfassender Einsatz von Recyclingmaterialien inklusive Batterien und erneuerbaren Energien in der Produktion.

Mercedes-Benz produziert seit diesem Jahr in allen eigenen Werken weltweit CO₂-neutral und bezieht in Deutschland zudem seit diesem Jahr Strom, der ausschließlich aus regenerativen Quellen stammt (CO₂-frei). Ein Grünstromliefervertrag sichert den Strombezug aus erneuerbaren Energien zu jeder Zeit. Darüber hinaus strebt das Unternehmen an, die Erzeugung von erneuerbarer Energie an seinen Standorten zu erhöhen. Bis Ende nächsten Jahres sollen Solaranlagen mit einer Leistung von mehr als 11 MWp in Betrieb gehen. Bis 2025 wird Mercedes-Benz einen dreistelligen Millionenbetrag in die Installation von Photovoltaikanlagen investieren. Mercedes-Benz plant zudem Investitionen in neue Power Purchase Agreements von Windanlagen im Wert von 1 Milliarde Euro bis Mitte der Dekade.

Bis 2030 ist vorgesehen, mehr als 70 Prozent des Energiebedarfs in der Produktion durch erneuerbare Energien zu decken - 15 Prozent sollen durch regenerative Energien an den eigenen Standorten erzeugt werden. Dies soll durch den Ausbau von Solar- und Windenergie an eigenen Standorten und durch den Abschluss weiterer entsprechender Stromabnahmeverträge erreicht werden. Mercedes-Benz verfolgt zudem das Ziel auch den Verbrauch von Wasser um 35% bis 2030 senken.

Im nächsten Schritt will Mercedes-Benz auch die Logistik CO₂-neutral darstellen. Der Schienentransport von Fahrzeugen und auch Komponenten wie z.B. Batterien spielt dabei eine wichtige Rolle.