Alexander Köhn Übersicht Duales Studium - Erfahre mehr Technische Studiengänge Kaufmännische Studiengänge Bewerbungsprozess

Mit dualem Studium am Puls der Transformation.

Als dual Studierender des Studiengangs Elektrotechnik/Fahrzeugelektronik mit Schwerpunkt Embedded IT, hat Alexander Köhn bereits tiefe Einblicke in die Forschung & Entwicklung bei Mercedes-Benz gewonnen. An der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) nutzt er seine Kenntnisse, um zum Beispiel ein autonom fahrendes Rennauto zu optimieren. Wo für ihn bei Mercedes-Benz die Champions League der Softwareprogrammierung zu Hause ist und für welches persönliche Ziel ihm noch neun Sekunden fehlen, verrät Alexander im Interview.

Alexander, Du bist als dualer Student für Elektrotechnik – Fahrzeugelektronik im dritten Jahr gerade im Entwicklungsbereich Teil des Teams „Egomotion“. Was bedeutet Egomotion?

Die Egomotion ist ein Bestandteil des automatisierten Fahrens und berechnet mithilfe von Sensorik die Bewegung des Fahrzeugs. Ein automatisiert fahrendes Fahrzeug ist mit Kameras, Radars und LiDARs, eine Art Laserscanner, die Entfernungen messen, ausgestattet, die als Augen des Autos fungieren und „schauen“, wohin die Fahrt führt. Um zu wissen, wo wir uns gerade befinden, werden GPS-Sensoren eingesetzt, in etwa wie der Orientierungssinn des Menschen. Für den Fall, dass das GPS-Signal kurzzeitig nicht funktioniert, übernimmt die Egomotion die „Orientierung“. Sie berechnet aufgrund von Messdaten diverser Sensoren die Eigenbewegung des Fahrzeugs und dessen Lage im Raum. Man kann das damit vergleichen, wie es für uns Menschen ist, wenn wir uns mit geschlossenen Augen drehen. Dann spüren wir, dass wir uns im Raum bewegen, ohne es direkt zu sehen.

"Der Praxiseinsatz in der Forschung half mir enorm, um eine andere Denkweise zu erlangen. Seitdem betrachte ich technische Dinge ganzheitlicher und verstehe das „Dahinter“ besser."
"Der Praxiseinsatz in der Forschung half mir enorm, um eine andere Denkweise zu erlangen. Seitdem betrachte ich technische Dinge ganzheitlicher und verstehe das „Dahinter“ besser."

Das klingt spannend. Wie lange bist Du in der Regel Teil eines Teams?

Drei oder sechs Monate, je nachdem in welcher Phase man als Studierender gerade ist. Ich bin hier jetzt für drei Monate, kehre aber im Sommer nochmal zurück, um dann meine Bachelorarbeit zu schreiben. Weil es mir hier sehr gut gefällt, wird das Bachelor-Thema Richtung Egomotion gehen, wahrscheinlich mit dem Schwerpunkt Fehlerüberwachung und -erkennung mittels Sensoren.

Worum kümmerst du Dich gerade während Deines Einsatzes?

Ich betreue im Moment ein eigenes Projekt. Die Egomotion ist im Fahrzeug als komplexes Softwarepaket implementiert. In dieses wollen wir neue Analysetools einbinden. Dafür programmiere ich gerade eine Schnittstelle. Diese ist auch für spätere Entwicklungen relevant, um Software zu testen.

Was war bisher Dein Highlight als dualer Student bei Mercedes-Benz?

Ich war letztes Jahr für einen Praxiseinsatz in der Forschung, wo es um Themen geht, die vielleicht in zehn Jahren serienreif sind. Das half mir enorm, um eine andere Denkweise zu erlangen. Seitdem betrachte ich technische Dinge ganzheitlicher und verstehe das „Dahinter“ besser – auch vor dem Hintergrund der Elektrifizierung, Digitalisierung und des Automatisierten Fahrens. Ich konnte an einem Forschungsprototypen mitarbeiten, bei dem ich mit anderen Fachbereichen den Reifegrad von Komponenten bewertet habe. Zudem gab es Freiraum, um mit meinem Betreuer an unterschiedlichen Erfindungen zu arbeiten. Vor kurzem haben wir die Nachricht erhalten, dass eine unserer Erfindungen als Patent angemeldet wird!

Glückwunsch! Du hast schon im ersten Jahr mit anderen Studierenden eigenverantwortlich einen Massagesitz mit neuer Technologie entwickelt. Hättest Du erwartet, gleich zu Studienbeginn zum Erfinder zu werden?

Eigentlich nicht. Die Entwicklung des Massagesitzes war eine anspruchsvolle Aufgabe, die uns im Bereich der Forschung gegeben wurde. Ich hatte gerade das zweite Semester beendet und daher fast keine Erfahrung. Wir waren mit acht Personen in einem Projekt und hätten alle nicht gedacht, dass es so gut funktionieren würde, denn wir hatten nur einen Monat Zeit. Wir haben eigene Steuergeräte programmiert, eine Platine erstellt und fertigen lassen, die wir dann selbst gelötet und bestückt haben. Jeder hat seine Stärken eingebracht und einen bestimmten Bereich betreut. Der Sitz ist nach zwei Jahren immer noch funktionsfähig.

"Macht Dinge, auch wenn ihr sie euch noch nicht wirklich zutraut. Das gilt auch fürs Studium – man muss sich was trauen, um etwas zu gewinnen."
"Macht Dinge, auch wenn ihr sie euch noch nicht wirklich zutraut. Das gilt auch fürs Studium – man muss sich was trauen, um etwas zu gewinnen."

Nicht nur bei Mercedes-Benz, auch an Deiner Hochschule beschäftigst Du Dich mit dem Automatisierten Fahren. Woran arbeitest Du dort gerade?

Zusammen mit einem Kollegen arbeite ich im Formula Student Team an der Sensorfusion von Kamera und LiDAR. Formula Student ist ein internationaler Konstruktionswettbewerb für Studierende, wo die Teams selbstgebaute Rennwagen gegeneinander antreten lassen. Es gibt Rennautos mit Verbrennungsmotor und mit Elektromotor, darunter auch welche, die vollständig autonom fahren. Wir arbeiten gerade an einer Teilfunktion des autonom fahrenden Rennautos. Wir versuchen, für die Zusammenführung der Sensorinformationen von Kamera und LiDAR einen neuen Ansatz zu implementieren, um ein verbessertes Informationsbild zu erhalten. Das machen wir als Studienarbeit über zwei Semester.

Wer oder was hat Deine Studienwahl beeinflusst?

Auf jeden Fall mein Interesse an Autos! Mich hat es schon immer fasziniert, wie Autos funktionieren. In der Schule war ich in Mathe und Physik gut, aber die einfache Stromlehre habe ich nie so richtig verstanden. Ich wollte es aber begreifen, was letztlich mein Interesse an der Elektrotechnik weckte: Wie arbeiten ein Motor, ein Getriebe oder eine Lenkung? Und was geschieht technisch, wenn ich über den Scheibenwischerhebel auslöse, dass sich die Scheibenwischer bewegen? Ich wollte der Vernetzung im Fahrzeug, der Steuerung und Regelung auf den Grund gehen.

Wie erlebst Du die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen bei Mercedes-Benz?

Ich erlebe sie als sehr kollegial. Wenn ich zum Beispiel neu in eine Abteilung komme, werde ich direkt integriert, in teaminterne Meetings und zu Teamevents eingeladen. Bei Themen, wo ich mich sehr gut auskenne, helfe ich anderen Mitarbeitenden, umgekehrt helfen sie mir dort, wo mir Know-how fehlt. In meinem aktuellen Team ist die Zusammensetzung besonders spannend, weil es sehr international aufgestellt ist und agil arbeitet. So unterstützt zum Beispiel ein Kollege aus Indien das Team im Serienprojekt. Ich nehme auch an den Terminen für die aktuelle Serienentwicklung teil und kann dabei als Neuling jederzeit kritische Fragen stellen. Mich erfüllt es besonders, dass mein Projekt für das Team relevant ist und mich täglich fordert.

Du beendest dieses Jahr dein Studium und wirst dich dann für einen Job bewerben. Reizt Dich ein Bereich besonders?

Mich reizt auf jeden Fall der Entwicklungsbereich für automatisiertes Fahren. Für mich ist das einfach die „Champions League“ der Softwareprogrammierung, wie es ein Kollege mal formuliert hat. Im Software-Umfeld ist viel möglich, aber das Automatisierte Fahren ist besonders komplex. Aber ich finde auch andere Bereiche sehr spannend, zum Beispiel die Produktion und Entwicklung des Elektro-Antriebs.

Was rätst Du Abiturientinnen und Abiturienten, die sich für ein duales Studium bewerben möchten?

Macht Dinge, auch wenn ihr sie euch noch nicht wirklich zutraut und vielleicht denkt „Das kann ich nicht oder das lerne ich sowieso nicht!“. Dieses Denken stelle ich besonders häufig fest, wenn es zum Beispiel ums Programmieren geht. Erst, wenn man sich damit beschäftigt, merkt man, dass man es doch kann. Das ist auch in meinen Praxisphasen so: Bislang habe ich zu Beginn nie gewusst, ob ich das, worum es geht, hundertprozentig beherrsche und es am Ende funktioniert. Aber dabei lernt man am meisten! Das gilt auch fürs Studium – man muss sich was trauen, um etwas zu gewinnen.

In Deiner Freizeit bist Du sportlich sehr aktiv, vor allem als Leichtathlet im Langstreckenlauf. Was gibt Dir das Laufen?

Es gibt mir eine innere Balance und stärkt mein Selbstwertgefühl, wenn ich bestimmte Zeitmarken erreiche. Meine Hauptstrecken sind 5.000 und 10.000 Meter. Magische Marken wie 15 Minuten für 5.000 Meter zu erreichen oder gegen Konkurrenten zu gewinnen, ist ein unglaubliches Gefühl. Das treibt mich auch im Training an. Ich will unbedingt unter 15 Minuten laufen, dafür fehlen mir noch neun Sekunden.

Gibt es einen Lauf, an dem Du gerne mal teilnehmen würdest?

Mein persönlicher Traum ist, das deutsche Nationaltrikot zu tragen und für Deutschland an einer Europameisterschaft teilzunehmen – egal, auf welcher Strecke. Momentan ist das noch sehr unrealistisch, aber diese Vision ist mein innerer Antrieb. Ich laufe seit acht Jahren und durfte schon zwei Mal in der Jugend an Deutschen Meisterschaften teilnehmen. Der nächste Schritt ist, in der Hauptklasse der Männer teilzunehmen. Dafür muss man sich mit bestimmten Zeiten qualifizieren, von denen ich aktuell aber noch sehr weit entfernt bin.

Während seiner Jugend in Roth bei Nürnberg war das sportliche Mercedes-Modell SLS AMG Alexanders Favorit, heute würde er am liebsten ein C-Klasse T-Modell von AMG fahren – mit Anhängerkupplung, damit er bequem sein Rennrad für Ausflüge mitnehmen kann. Mercedes-Benz war deshalb sein Wunsch-Arbeitgeber fürs duale Studium, das er an der DHBW Ravensburg absolviert. Seit acht Jahren gehört der Laufsport zu seinen Leidenschaften, der ihn bis zu 20 Kilometer durch den Wald oder am Wasserkanal entlangführt. Als Leichtathletik C Trainer Leistungssport betreut er nicht nur Triathletinnen und -athleten, sondern hat auch viele seiner Kolleginnen und Kollegen mit einem monatlichen Workshop für den Firmenlauf vorbereitet. Etwas, was ihn das duale Studium übers Fachwissen hinaus gelehrt hat, ist die Kunst des effektiven Umzugs: Für seine temporären Wechsel zwischen dem Campus in Friedrichshafen und den Praxiseinsätzen in Stuttgart-Vaihingen benötigt Alexander heute nur noch eine statt zwei Pkw-Ladungen.