„Wir bringen neueste Elektronik auf die Teststrecke!“ - Ausbildung an der nächsten Fahrzeuggeneration

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Elektromobilität bringt viele Veränderungen – auch für den Beruf des Kfz-Mechatronikers. Sebastian Stephan ist auf die neuen Anforderungen bestens vorbereitet: Der 24-Jährige gehört zu den ersten Kfz-Mechatronikern bei Mercedes-Benz, die ihre Ausbildung mit Schwerpunkt auf System- und Hochvolttechnik abgeschlossen haben. Heute bringt er mit seinem Know-how in der Anlauffabrik in Sindelfingen neueste Technologien in die Fahrzeuge und auf die Teststrecke. Warum er es liebt, ganz nah an der Entwicklung der nächsten Elektro-Generation von Mercedes-Benz zu arbeiten – und wie er zu seinem Ausbildungsplatz gekommen ist, erzählt Sebastian Stephan im Interview.

Sebastian, du bist einer der ersten Kfz-Mechatroniker, die sich auf System- und Hochvolttechnik spezialisiert haben. Was ist das Besondere an dieser Ausbildung?

Die Ausbildung bereitet angehende Kfz-Mechatronikerinnen und -Mechatroniker auf die neuen Anforderungen vor, die bei der Arbeit an modernen Fahrzeugen notwendig sind. Man lernt beispielsweise modernste Elektro- und Hybridantriebe, Batterietechnologien, neue Bordnetze und Ladesysteme kennen. Mit Komfort-, Sicherheits- und Assistenzsystemen sowie automatisiert fahrenden Systemen entwickeln sich Autos immer weiter. Zur Ausbildung gehören aber auch die klassischen Themen, wie beispielsweise Mechanik, ohne die kommen schließlich Fahrzeuge auch in Zukunft nicht aus (lacht).

„Für mich war klar: Elektromobilität ist die Zukunft und ich wollte ein Teil davon sein. Meine Kollegen und ich waren die ersten, die an Elektrofahrzeugen ausgebildet wurden.“

Wie bist Du zu Deiner Ausbildung gekommen?

Ich habe schon immer gerne geschraubt, am Wochenende in der Garage an meinem Roller und später an meinem Auto gebastelt. Mich hat einfach interessiert, wie alles funktioniert und zusammenhängt. Nach meinem Schulabschluss wollte ich etwas Praktisches arbeiten. Eine Bekannte hatte mir vom Auswahlverfahren Let´s Benz erzählt. Das hat natürlich super gepasst. Ich habe mich beworben und wurde sehr schnell zum Test und Interview eingeladen. Und schon bald darauf hatte ich die Zusage.

Und 2017 bist Du dann mit Deiner Ausbildung gestartet …

Ja! Übrigens habe ich mit einer klassischen Kfz-Mechatroniker-Ausbildung angefangen. Im zweiten Lehrjahr hat uns unser Betreuer dann gefragt, ob wir uns vorstellen können, uns auf System- und Hochvolttechnik zu spezialisieren. Ich war sofort begeistert, weil für mich klar war: Das ist die Zukunft und ich wollte ein Teil davon sein. Meine Kollegen und ich waren die allerersten, die an Elektrofahrzeugen ausgebildet wurden. Danach bin ich dann direkt im Werk in der Nacharbeit gestartet und habe mich dort zur Elektrofachkraft weiterentwickelt.

Heute bist Du unter anderem in der Anlauffabrik in Sindelfingen tätig. Um was geht es dabei?

Kurz gesagt: Wir statten Testfahrzeuge mit neu entwickelten Systemen aus oder bauen komplette Prototypen auf. Die Fahrzeuge, an denen wir arbeiten, kommen später etwa auf der Teststrecke und bei Prüfstandversuchen zum Einsatz – oder sind als Erlkönige getarnt auf den Straßen rund um Stuttgart unterwegs.

Und wie sieht die Anlauffabrik aus?

Eigentlich wie eine normale Autowerkstatt nur viel, viel größer (lacht)! Oft arbeiten wir an acht, neun Fahrzeugen gleichzeitig. Der Unterschied ist, dass wir uns mit Technologien und Fahrzeugen beschäftigen, die es so auf dem Markt noch gar nicht gibt. Das machen wir in Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Entwicklung und bekommen von dort Anweisungen, welche Steuergeräte verbaut werden sollen, und wie die einzelnen Systeme miteinander vernetzt werden müssen. Jedes Fahrzeug ist neu und anders, das macht es richtig spannend.

Als nächsten Karriereschritt möchte Sebastian Stephan ein Studium im Bereich Elektrotechnik oder Fahrzeugtechnik starten.

Wie können wir uns die Zusammenarbeit in Deinem Team vorstellen?

In der Anlauffabrik sind wir ein Team mit unterschiedlichen Expertisen – wir haben Spezialisten für die Karosserie, das Fahrwerk und die Elektronik. Wir unterstützen uns alle gegenseitig. Manchmal brauchen wir bei der Elektronik Hilfe, wenn es etwa darum geht, eine Leitung zu messen. Ein anderes Mal braucht vielleicht ein Fahrwerk-Spezialist Unterstützung beim Ausbau. Dabei lernt man kontinuierlich dazu. Und gerade wenn es um neue Systeme geht, wie die Sensorik für autonome Fahrzeuge, muss ich mich immer wieder in neue Probleme reinfuchsen – das macht mir großen Spaß.

Und an welchen Prototypen arbeitest Du aktuell?

Das ist natürlich streng geheim (lacht). Nur so viel: Es geht um die Basis für unsere neue Reihe an Elektrofahrzeugen – also etwa für die nächste Generation unserer EQA und EQB. Digitalisierung und Elektromobilität sind ja zentrale Bestandteile der Geschäfts¬strategie bei Mercedes-Benz. Hautnah daran mitzuarbeiten, ist für mich echt faszinierend.

Was macht für Dich die Arbeitsatmosphäre bei Mercedes-Benz aus?

Das Besondere ist wirklich die enge und kollegiale Zusammenarbeit. Das fängt schon in der Ausbildung an: Es gibt zum Glück immer eine erfahrene Kollegin oder einen erfahrenen Kollegen, die oder der einem zur Seite steht. Ich weiß noch, als ich das erste Mal an einem Fahrzeug Stecker gepinnt habe. Da ist viel Fingerspitzengefühl gefragt und es hat ewig gedauert. Mein Kollege hat mir dann ein paar Tricks gezeigt und plötzlich ging alles ganz schnell. Das ist einfach hilfreich, um ins Berufsleben zu finden. Heute liebe ich es, wenn ich selbst unseren Nachwuchskräften den ein oder anderen Tipp geben kann. Und Mercedes-Benz bietet einfach ein gutes Gesamtpaket mit vielen Karrieremöglichkeiten.

Und was hast Du als nächstes vor?

Ich überlege, Elektrotechnik oder Fahrzeugtechnik zu studieren. Bei Mercedes-Benz gibt es ja auch die Möglichkeit, berufsbegleitend zu studieren. Mich hier noch tiefer in Materie einzuarbeiten, das würde mich reizen. Ich könnte mir aber auch vorstellen, für eine Zeit an eines unserer Werke im Ausland zu wechseln und dort internationale Erfahrung zu sammeln.

Zum Abschluss noch eine andere Frage: Wo trifft man Dich samstags um 10:30 Uhr?

Bei schlechtem Wetter in der Garage beim Tüfteln an meinem Motorrad und bei gutem Wetter dann damit im Schwarzwald unterwegs. Da gibt es jede Menge coole Motorradstrecken mit vielen Kurven, aber nicht zu viel Verkehr – eine meiner Lieblingsstrecken führt durch das Murgtal bis an die rote Lache.

Seine ersten technischen Handgriffe bringt sich Sebastian Stephan selbst in der heimischen Werkstatt beim Schrauben und Basteln an seinem Roller bei. Nach dem Abitur macht er seine Leidenschaft zum Beruf: Er startet bei Mercedes-Benz eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker und spezialisiert sich als einer der ersten Auszubildenden in Deutschland auf System- und Hochvolttechnik. Im Anschluss an seine Ausbildung sorgt er zunächst in der Produktion im Bereich Nacharbeit dafür, dass bei der Elektrik der neu produzierten Fahrzeuge alles einwandfrei funktioniert und entwickelt sich hier zur Elektrofachkraft weiter. Aktuell bringt er in der Anlauffabrik in Sindelfingen neu entwickelte Systeme in Testfahrzeuge und arbeitet damit hautnah an der Mobilität der Zukunft.