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Eine berufliche Zukunft im technischen Bereich.

Eigentlich war Nidya Yilmaz als Politikstudentin nur für einen Ferienjob zu Mercedes-Benz in die Produktion gekommen. Doch die heute 22-Jährige merkte während ihrer Zeit dort, wie spannend die Produktionsanlagen sind und startete kurz darauf ihre Ausbildung als Mechatronikerin im Mercedes-Benz Werk Bremen. Inzwischen überzeugt sie sogar Schülerinnen von ihrem MINT-Beruf. Was sie an der Ausbildung alles überrascht hat und welche Stationen sie während der Ausbildung durchläuft, verrät Nidya im Interview.

Hallo Nidya. Du bist Mechatronikerin im 2. Ausbildungsjahr im Mercedes-Benz Werk Bremen. Was hat dich dazu gebracht, diesen technischen Ausbildungsberuf zu wählen?

Eine Schulfreundin, die die Ausbildung schon begonnen hatte, erzählte mir begeistert davon. Als ich dann während eines Ferienjobs in der Fahrwerkmontage im Mercedes-Benz Werk Bremen gearbeitet habe, konnte ich durch den Kontakt zu Anlagenwärtern Einblicke gewinnen, was ein Mechatroniker rund um die Anlagensteuerung alles macht. Das war super interessant, vor allem die Robotik! Von da an wollte ich eine berufliche Zukunft im technischen Bereich. Viele denken, der Beruf sei körperlich sehr anstrengend, aber tatsächlich ist es viel Kopfarbeit. Ich war in der Schule schon stark in Mathe und Physik, das kann ich hier gut einsetzen.

In der Ausbildungswerkstatt lernt Nidya neben mechanischen Fertigkeiten auch ein funktionales Verständnis für komplexe Systeme.

Konntest du dich schon immer für Maschinen begeistern?

Nein. Ich habe nach dem Abitur zunächst Politikwissenschaften studiert, weil mich Politik und Geschichte sehr interessieren. Mein technisches Interesse entwickelte sich tatsächlich erst durch den Ferienjob. 2021 habe ich dann das Studium abgebrochen, um stattdessen die Ausbildung als Mechatronikerin zu beginnen.

Was hat dir bislang in der Ausbildung am meisten Spaß gemacht?

Als ich drei Wochen in der Produktion im Einsatz war, genauer gesagt im Rohbau, wo Seitenwände für die Karosserie der C-Klasse gefertigt werden. Dort lernte ich an der Seite eines Anlagenwärters konkrete Tätigkeiten kennen, die wichtig sind für den Umgang mit den Robotern in den Anlagen. Diese Roboter transportieren die Seitenwände, zum Beispiel für Klebe- oder Schweißprozesse. Kommt es zu einer Unregelmäßigkeit, muss man diese beheben, damit ein reibungsloser Ablauf in der Produktion gewährleistet ist. Wartungen und Kontrollen, zum Beispiel ob das Drehmoment bei einer Klammer stimmt, gehörten auch dazu. Diese Zeit war für mich eines meiner Highlights.

Und womit hättest du als Ausbildungsinhalt gar nicht gerechnet?

Ich hätte nicht gedacht, dass 3D-Druck zu der Ausbildung zur Mechatronikerin dazu gehört oder auch bestimmte Metallbearbeitungsverfahren, die ich gar nicht kannte. Was wir in den Kursen zum Drehen und Fräsen selbst gefertigt haben, können wir außerdem später mit der SPS (Speicherprogrammierbare Steuerung) steuern, das hat mich positiv überrascht.

Wie war der Einstieg für dich als Auszubildende?

Die ersten Wochen waren toll! Wir hatten gemeinsam mit Auszubildenden anderer Berufsgruppen wie Elektronikern oder Sozialversicherungsfachangestellten einen einwöchigen Entwicklungsworkshop fürs Team Building. Ich kannte noch niemanden, als ich damals anfing. Das war also ein perfekter Einstieg für mich, weil wir uns gut verstanden haben und sich keiner mehr allein fühlte. Die gemeinsamen Rad- oder Kanutouren und Ausflüge haben das Kennenlernen und Zusammenwachsen viel einfacher gemacht. In meiner Ausbildungsgruppe gibt es heute keine Einzelgänger, wir unterstützen uns gegenseitig.

Wartungs- und Servicearbeiten an Steuereinheiten von Produktionsanlagen kann Nidya Yilmaz schon eigenständig erledigen.

Welche Stationen hast du seitdem durchlaufen?

Die Ausbildung begann mit einem zweimonatigen Grundkursus zum Thema Metalltechnik in der Ausbildungswerkstatt. Da habe ich Körnen, Feilen, Sägen und vieles mehr gelernt. Danach teilte sich unsere Gruppe. Ich lernte automatisierte Verfahren wie Fräsen und Drehen kennen, besuchte einen Pneumatik-Kurs oder erfuhr im Kurs Hausinstallationen, wie man eine Lampe anschließt oder eine Steckdose installiert. Dazu kommt die Berufsschule, die wir jede dritte Woche besuchen. Dort lernen wir die Theorie zu unseren praktischen Aufgaben, aber zum Beispiel auch Programmiersprachen oder den Umgang mit Stromschaltungen. Nach dem Fachbereich Rohbau komme ich jetzt ins Kundencenter.

Was macht eine Mechatronikerin im Kundencenter?

Es geht bei den Einsätzen in den Fachbereich darum, die verschiedenen Facetten von Mercedes-Benz kennenzulernen. Bestimmt werde ich im Kundencenter auch mit der Technik von Fahrzeugen vertraut gemacht, gleichzeitig ist der Kundenkontakt eine neue Erfahrung für mich. Wir lernen so unterschiedliche Einsatzgebiete kennen und bekommen einen Eindruck, wie unser zukünftiger Job aussehen könnte. Ich könnte nach meiner Ausbildung auch entscheiden, Meisterin zu werden oder ein Technikstudium zu beginnen. Im Moment kann ich aber sagen: Das, was ich gerade lerne, würde ich zukünftig auch gerne machen.

Und was macht gute Teamarbeit für dich aus?

Zuverlässigkeit ist ganz wichtig. Sowohl, wenn es darum geht, einander zuzuarbeiten und gemeinsam gute Ergebnisse zu erzielen als auch füreinander da zu sein, falls mal etwas nicht klappt. Man muss sich aufeinander verlassen können. Das sorgt für eine gute Vertrauensbasis, was mir viel bedeutet.

Wie erlebst du Mercedes-Benz als Arbeitgeber?

Ich wache morgens auf und freue mich auf die Arbeit. Für mich ist Mercedes-Benz ein sehr guter Arbeitgeber, der mich schon beim Ferienjob überzeugt hat. Mit meiner Truppe, sowie den Meistern und Ausbildungsbetreuerinnen und –betreuern ist alles sehr familiär. Gleichzeitig schätze ich die Möglichkeiten, die Mercedes-Benz mir bietet und dass ich sehr gefördert werde.

Stichwort Frauenförderung: Du bist für Mercedes-Benz auf Messen und in Schulen zu Gast, um andere für eine Ausbildung bei uns zu begeistern. Verstehst du dich auch als Botschafterin für MINT-Berufe?

Eigentlich schon, denn als Frau spreche ich insbesondere die weibliche Zielgruppe anders an. Ich war zum Beispiel vor Kurzem auf einer Messe und habe gesagt: Ich hatte anfangs Bedenken, einen technischen Beruf zu wählen, weil ich dachte, ich packe das körperlich nicht. Aber ich arbeite viel mehr mit dem Kopf als mit dem Körper. Als ich am Ende meine Zuhörenden fragte, ob ihnen mein Bericht etwas gebracht habe, kam ein Mädchen zu mir und sagte: „Das klang alles richtig spannend, du hast mein Interesse geweckt. Ich dachte auch immer, dass der Beruf körperlich total anstrengend ist.“ Ich freue mich, dass ich hier Mädchen für einen MINT-Beruf begeistern kann. Ich merke immer wieder, dass das Bild in den Köpfen ganz anders ist als die Jobrealität. Der Beruf des Mechatronikers ist zwar immer noch eine Männerdomäne, aber es kommen immer mehr Frauen dazu. Das finde ich toll!

Nidyas großes Vorbild ist ihr Vater, gelernter Kfz-Mechaniker, der seit mehr als 35 Jahren bei Mercedes-Benz arbeitet und inzwischen weltweit bei Anläufen, rund um das Thema Inneneinbau und Fahrwerk, für mehrere Baureihen in der Produktion, mitwirken durfte. Wenn es der Schichtplan erlaubt, fahren sie gemeinsam von Bremen-Borgfeld zur Arbeit ins Bremer Werk, weil sie nur fünf Minuten voneinander entfernt wohnen. Nidya Yilmaz (22) verdankt ihren Vornamen, der „Die Gütige“ im Indonesischen bedeutet, dem väterlichen Einsatz in Indonesien. Neben Englisch kann sie auch Arabisch lesen und lernt seit zwei Jahren Türkisch. Als sie mit dem Sprachunterricht begann, wusste sie übrigens noch nicht, dass sie bald darauf ihren heutigen Ehemann, der auch türkisch spricht, bei einem Ferienjob im Werk Bremen kennenlernen würde. Zu ihrer großen Freude chauffierte sie ihr Meister am Hochzeitstag mit der S-Klasse zur Trauung. Wenn sie nicht gerade den nächsten Indonesientrip plant oder sich mit Familie und Freunden trifft, spielt sie mit Leidenschaft Fußball.